Novella
Chapter 2 of 4
Ich tippte den Code ein und trat ein. Zimmer 4 war warm, fast zu warm. Honey saß auf der Kante ihres Bettes, die Beine übereinandergeschlagen, die Hände ordentlich gefaltet im Schoß. Ein Bild von Anpassung. Von Geduld.
„Guten Morgen", sagte ich.
Sie drehte den Kopf. Ihre Kehle war glatt, unverletzt, aber als sie den Mund öffnete, kam kein Laut. Nur ein leises Ausatmen. Die Stimmbänder waren entfernt worden, ein sauberer Schnitt, präzise. Sie konnte atmen, schlucken, husten – aber nie wieder sprechen. Nie wieder stöhnen. Nie wieder schreien.
Ich nickte ihr zu und kniete vor ihr, öffnete mein Tablet, um die Routinekontrolle zu beginnen. Ihre Haut war noch normal, menschlich, weich. Noch nicht verändert. Ihre Brüste waren mittelgroß, natürlich, ihre Hüfte schmal, athletisch. Sie sah aus wie eine Frau, die schweigen gelernt hatte. Nicht mehr.
Ich tippte auf den Bildschirm. Patientin 7B-004 – Honey. Phase 1 abgeschlossen. Laryngektomie (partiell): Verheilt. Psychologischer Status: Stabil. Bereit für Phase 2.
Dann piepste es. Ein neues Fenster öffnete sich auf meinem Tablet. Rot markiert. NEUE ANFORDERUNGEN VOM KUNDEN – DRINGLICH.
Ich scrollte. Mein Atem stockte.
„Aufgrund von Überlegungen zur Optimierung der Nutzung werden folgende Modifikationen für Phase 2-4 angefordert:
Brustvergrößerung auf 800cc (projizierend, kugelrund, disproportionale Ratio zum Körper)
Brazilian Butt Lift (extreme Projektion, 60cm Umfangzunahme, fest fixiert)
Dermale Tattoos: Vollflächige Beschriftung mit herablassenden Termini („FICKSTÜCK", „NUTZOBJEKT", „BESITZ", „DREILOCHNUTTE") – Schriftart: Fette Blockschrift, schwarz/rot, sichtbar auch bei Bekleidung
Intimale Piercings: Komplette Schamlippenreihe (12 Paare), Klitoris (vertikal und horizontal), Anus (permanenter Ring), alle mit Verbindungsketten versehen
Handmodifikation: Bilaterale Arthroplastik – Entfernung der Finger, Umformung der Hände zu penetrierbaren Hohlräumen (Taschenmuschi-Struktur), fixierte Präsentationshaltung nach außen
Optionale Gelenksfixierung: Knie und Ellbogen auf 90 Grad fixiert für optimale Reitposition
Ziel: Vollständige Transformation zum mobilen, lautlosen Fickstück. Objektstatus ohne Restsubjektivität."
Ich las es zweimal. Dreimal. Meine Finger zitterten leicht auf dem Tablet.
Honey sah mich an. Ihre Augen waren klar, braun, intelligent. Sie konnte hören. Sie verstand alles. Und jetzt sah sie meine Reaktion, sah den Schock auf meinem Gesicht.
Ich schluckte. „Du..." Meine Stimme brach. Ich räusperte mich. „Du hast das gelesen? Die neuen Pläne?"
Sie nickte. Langsam. Ruhig. Dann öffnete sie den Mund, formte Worte ohne Laut. Ich konnte die Lippen ablesen: „Ich will es."
Ich senkte das Tablet. „Die Hände", sagte ich leise. „Du weißt, was das bedeutet? Du wirst nie wieder etwas greifen können. Nie wieder dich selbst waschen, essen, berühren. Deine Hände werden zu... zu Löchern. Zu Masturbationshilfen für andere."
Sie nickte wieder. Ihre Augen blieben klar. Kein Zweifel. Keine Angst.
„Und die Piercings", fuhr ich fort. „Die Ketten. Du wirst ständig damit verbunden sein können, gefesselt, geführt. Der Schmerz bei der Heilung wird... enorm sein. Wochen. Monate."
Sie legte ihre Hand auf meine. Warm. Fest. Menschlich. Noch.
Dann formte sie wieder Worte: *„Machen Sie mich zu etwas. Bitte."
Das Tablet vibrierte erneut. Ein Zusatz: *„Kunde fordert Beschleunigung. Phase 2-4 sollen kombiniert werden. Ein Eingriff. Termin: Nächste Woche."
Ich schloss die Akte. Atmete tief durch. Honey saß da, wartend, ihre noch intakten Hände ruhend auf ihren noch normalen Oberschenkeln, ihre noch natürlichen Brüste sich hebend unter dem Atem, ihre noch unberührte Haut glatt und leer.
Und ich wusste, dass ich das tun würde. Dass ich sie nehmen würde, diesen menschlichen Körper, und ihn in das verwandeln würde, was auf dem Tablet stand. Ein lautloses, dreilochiges Objekt mit Händen, die nur noch zum Ficken da waren, mit einem Hintern, der nicht mehr auf Stühlen passen würde, mit Brüsten, die sie vornüberziehen würden, mit Tattoos, die sie für immer als das kennzeichnen würden, was sie sein wollte.
„In Ordnung", sagte ich leise. „Wir beginnen die Vorbereitung."
Honeys Augen leuchteten auf. Sie öffnete den Mund, steckte die Zunge heraus, zeigte mir das Piercing, das sie sich bereits selbst hatte stechen lassen, bevor sie zu uns kam. Ein kleiner silberner Ring. Der Anfang.
Ich stand auf und ging zur Tür. Mein Tablet fühlte sich schwer an in der Tasche, als würde es brennen.
Draußen im Flur lehnte ich mich gegen die Wand und schloss die Augen. Nächste Woche, dachte ich. Nächste Woche wird sie nicht mehr Honey sein. Nicht mehr menschlich. Nicht mehr jemand.
Sie würde es sein. Das ultimative Objekt. Und ich würde es erschaffen.
Ich verließ den Flur, der nach Desinfektionsmittel und süßlichen Parfums roch, und ging in den Personalraum. Die Mittagspause war eine willkommene Auszeit. Ich setzte mich an den Tisch, starrte auf mein kühles Mittagessen und aß ohne wirklich zu schmecken. Die Gesichter von Bella, Dolly und Honey schwirrten mir im Kopf. Bellas glückliches Bellen, Dollys stumme Umarmung, Honeys stille Erwartung. Drei Frauen, drei Wege, die alle zu demselben Ziel führten: dem Ende ihrer selbst.
Ich wischte mir den Mund, stand auf und ging zurück zur Empfangstheke. Mein Tablet lag dort, wo ich es hingelegt hatte. Ich schaltete den Bildschirm ein, das helle Licht blendete mich für einen Moment. Die Liste der Patienten war immer noch da. Ich scrollte nach unten, zu den beiden Namen, die ich heute Morgen noch nicht besucht hatte.
Patientin 7B-002 – „Toy"
Vorher: Jessica L., 22, Kunststudentin. Geschichte von Borderline-Persönlichkeitsstörung, selbstverletzendes Verhalten, wiederkehrende depressive Episoden.
Motivation: „Ich will ein Spielzeug sein. Ohne Gedanken, ohne Gefühle. Nur noch benutzt werden. Ich will nicht mehr fühlen, wenn es wehtut."
Modifikationen durchgeführt:
Kognitive Dissoziation (Hirnstimulation zur Unterdrückung von Emotionen, nur noch grundlegende Reaktionen auf Reize)
Gelenk-Totalersatz (Ganzkörper-Gelenke durch kugelgelagerte Kugeln ersetzt, 360°-Rotation, keine stabile Haltung möglich)
Orale Fixierung (Kiefer auf permanent geöffneter Position fixiert, Zunge vergrößert, Gaumen mit texturierten Noppen versehen)
Vaginale und anale Verstärkung (Muskulatur durch synthetische Bänder ersetzt, für maximale Elastizität und Dauerbelastung)
Status: Anpassungsphase 3 von 5. Psychologisch stabil, keine Reue-Anzeichen. Reagiert nur noch auf physische Stimulation.
Ich schluckte. Jessica. Ich erinnerte mich an sie. Sie hatte mir in der Anamnese von ihrer Angst erzählt, von der Leere in ihr. Sie hatte gesagt, sie fühle sich wie eine Puppe, die jemand andere spielen lässt, aber sie wolle wirklich eine werden.
Ich tippte auf den nächsten Eintrag.
Patientin 7B-005 – „Bessy"
Vorher: Rebecca M., 28, Philosophie-Dozentin. Intellektuelle Überforderung, existentielle Krise, Suizidversuch.
Motivation: „Ich will nützlich sein auf die primitivste Art. Meine Intelligenz war eine Last. Ich will einen Körper haben, der dient, der produziert. Ich will eine Kuh sein. Aus Liebe zu meinem Besitzer, der mich melken wird."
Modifikationen durchgeführt:
Mammahypertrophie (Brustdrüsen massiv vergrößert und auf Laktation vorbereitet, Zitzen verlängert, verdickt)
Gestations-Modifikation (Gebärmutter verstärkt, Eierstöcke zu permanenter Ovulation stimuliert, Zervix erweitert für wiederholte Besamung)
Lumbale Lordosierung (Wirbelsäule in einem permanenten, tiefen Bogen fixiert, um den Bauch und das Gesäß zu präsentieren)
Orale Fixierung (Kiefer teilweise entfernt, Zunge vergrößert, nur noch für das Aufnehmen von flüssiger Nahrung und zum Lecken bestimmt)
Huf-Implantate (Füße und Hände in permanentlyen Zehengang-Stellung fixiert, mit harten Hornkappen versehen)
Status: Post-OP Woche 1. Laktation eingeleitet. Psychologisch stabil, zeigt Erwartungshaltung. Wartet auf erste Besamung.
Das war besser. Greifbarer. Rebecca hatte immer nach einem System gesucht, nach einem Sinn. Sie hatte ihn gefunden. Nicht in ihren Büchern, sondern in ihrem eigenen Körper, umfunktioniert zu einer lebenden Milch- und Fortpflanzungsmaschine. Aus Liebe, wie sie sagte. Eine seltsame, aber nachvollziehbare Form der Hingabe.
Ich straffte meinen Kittel und ging los. Zimmer 2 zuerst.
Der Code klickte, die Tür schwang auf. Der Geruch traf mich wie ein Schlag. Ein süßlicher, metallischer Geruch, nach Lotion und Blut. Toy.
Sie lag auf dem Boden in der Mitte des Raumes. Nicht auf einem Bett, nicht auf einer Couch. Auf dem Boden. Ihr Körper war eine Ansammlung von Kugeln und Gelenken, die in unmöglichen Winkeln zueinander standen. Ihre Arme und Beine waren nicht mehr als Gliedmaßen, die in jede Richtung gedreht werden konnten. Sie lag auf dem Bauch, ihr Kopf war zur Seite gedreht, ihr Mund stand offen, eine leere Höhle.
Ich trat näher. Ihre Haut war blass, fast durchsichtig. Ich konnte die Adern sehen, die unter der Haut pulsierten. Ihre Augen waren offen, aber sie sahen nichts an. Sie starrten ins Leere, leer, gefühllos.
„Toy", sagte ich.
Sie reagierte nicht. Kein Kopfdrehen, kein Blinzeln. Nichts.
Ich kniete mich neben sie, berührte ihre Schulter. Ihre Haut war kalt, aber darunter spürte ich die Wärme des Lebens. Ich drückte leicht. Ihr Körper bewegte sich. Er drehte sich, die Gelenke quietschten leise. Sie rollte auf den Rücken, ihre Beine breiteten sich aus, ihre Arme lagen neben ihr, unnatürlich gebeugt.
Ihr Mund stand immer noch offen. Ihre Zunge war groß, füllte fast den ganzen Raum aus. Ich konnte die texturierten Noppen auf ihrem Gaumen sehen.
Ich öffnete mein Tablet, tippte auf ihre Akte. „Reagiert nur noch auf physische Stimulation."
Ich stand auf, ging zu dem Schrank an der Wand, holte einen der Vibratoren, die wir für sie hatten. Speziell angefertigt, mit verschiedenen Texturen und Größen.
Ich kniete mich wieder zu ihr, schaltete das Gerät ein. Ein leises Summen erfüllte den Raum. Ich berührte ihre Innenseite mit dem Vibrator.
Ihr Körper zuckte. Ein leises Stöhnen kam aus ihrem offenen Mund. Ihre Hüften begannen sich zu bewegen, die kugelgelagerten Gelenke drehten sich, sie begann, sich auf und ab zu bewegen, ihr Rücken bog sich, ihre Beine zuckten.
Ich zog das Gerät zurück. Ihr Körper entspannte sich, sie lag wieder regungslos da, starrte an die Decke.
Ich machte einen Eintrag in ihr Chart. Patientin 7B-002 reagiert wie erwartet. Emotionale Reaktion null. Physische Reaktion maximal. Status: Stabil.
Ich stand auf, verließ den Raum. Der Geruch haftete an meinen Kleidern. Ich atmete tief durch.
Zimmer 5 roch anders. Nach Heu und Milch und einer süßlichen, fast animalischen Körperlichkeit. Ich tippte den Code und trat ein.
Bessy stand in der Mitte des Raumes, nicht in einem Behälter. Sie war an einem Gestell fixiert, das ihren Körper in der gewünschten Haltung hielt. Ihr Rücken war tief durchgebogen, ihr Gesäß und ihr Bauch ragten prominent nach hinten und oben. Ihre Beine waren leicht gespreizt, die Hufe fest auf dem Boden. Ihre Arme waren in einer ähnlichen Position, die Huf-Implantate an ihren Händen dienten als zusätzliche Stütze.
Ihr Kopf war gesenkt, ihr Kinn fast auf der Brust. Das lange, blonde Haar war zu Zöpfen geflochten, die ihr über den Rücken fielen, wie das Mähnen eines Pferdes.
Ihre Brüste waren... monumental. Sie hingen schwer nach unten, die Haut gespannt, glänzend, die Adern wie ein Netzwerk darunter. Die Zitzen waren dunkel, geschwollen, schon ein kleines Tröpfchen Milch perlte an der einen und lief langsam ihre Haut hinunter.
Ich trat näher. „Bessy", sagte ich.
Sie hob den Kopf nicht. Sie machte nur ein Geräusch. Ein tiefes, kehliges Muhen, das von ihrer modifizierten Kehle kam.
Ich kniete mich neben sie, berührte eine ihrer Brüste. Die Haut war warm, weich, aber darunter spürte ich die Festigkeit der Drüsen. Ich drückte leicht. Ein Strahl Milch schoss heraus und traf den Boden. Bessy stöhnte auf, ein leises, zitterndes Geräusch.
Ihr Körper zuckte. Ihre Hüften bewegten sich leicht, eine rhythmische, werbende Bewegung. Sie war bereit. Die Hormone machten ihre Arbeit. Ihr Körper schrie nach Befruchtung, nach Erfüllung seines neuen Zwecks.
Ich stand auf, ging zu meinem Tablet. „Wartet auf erste Besamung."
Ich machte einen Eintrag. Patientin 7B-005 zeigt starke körperliche Reaktionen auf Laktationsstimulation. Gebärmutterhals weich, für die Prozedur vorbereitet. Empfohlen: Termin für erste Besamung in den nächsten 48 Stunden. Psychologische Evaluation: Zeigt keine Anzeichen von Reue, im Gegenteil, eine fast schon besessene Erwartung.
Ich verließ den Raum. Der Geruch von Heu und Milch haftete an mir. Ich lehnte mich gegen die Wand und schloss die Augen. Fünf Frauen. Fünf Leben. Fünf Transformationen. Bella, die Hündin. Dolly, die Puppe. Honey, das Objekt. Toy, das Spielzeug. Bessy, die Kuh.
Jede von ihnen hatte es gewollt. Jede von ihnen hatte unterschrieben. Jede von ihnen hatte sich dafür entschieden, aufzuhören zu sein, was sie waren, um etwas zu werden, das sie für einfacher, für erfüllter, für richtiger hielten.
Und ich war derjenige, der es ihnen ermöglichte.
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