Novella
Chapter 3 of 4
Die Woche zog sich hin. Jeden Morgen besuchte ich meine fünf Patientinnen, überprüfte ihren Zustand, machte meine Einträge. Bella wurde für die Gedächtnis-Modifikation vorbereitet, ihr Gesicht leuchtete jedes Mal auf, wenn ich das Wort „Phase 5" sagte. Dolly übte fleißig das Sitzen, ihre Brüste schienen jeden Tag ein wenig schwerer zu werden, ihr Gleichgewicht ein wenig besser. Honey wurde vorbereitet, ihr Körper wurde rasiert, die Haut für die Tattoos gesäubert, ihre Augen wurden jedes Mal ein wenig größer, wenn ich ihren Raum betrat. Toy lag auf dem Boden, regungslos, bis jemand sie mit einem Vibrator berührte, dann wurde sie zum Beben, zum reinen Reflex. Und Bessy... Bessy wurde gemolken. Zweimal am Tag. Sie stand an ihrem Gestell, ihr Rücken tief gebeugt, während eine Maschine ihre Brüste leerte. Ihr Körper zuckte unter der Stimulation, ihre Hüften bewegten sich in diesem rhythmischen, werbenden Takt. Sie war bereit. Sie wartete.
Am Freitagabend verließ ich die Klinik. Die frische Luft war ein Schock, kalt und klar nach den sterilen, süßlichen Gerüchen von Station 7B. Ich stieg in mein Auto, fuhr durch die nächtliche Stadt, die Lichter zogen an mir vorbei, bunte, lebendige Flecken in der Dunkelheit.
Meine Wohnung war leer. Still. Ich warf meine Tasche auf eine Stuhl, ging in die Küche, schenkte mir ein Glas Wein ein. Ich stand am Fenster, schaute auf die Lichter der Stadt. Überall draußen lebten Menschen. Menschen, die Entscheidungen trafen. Die Verantwortung hatten. Die litten. Die sich freuten. Die sich wünschten, sie wären jemand anders.
Ich dachte an Elena. An Dolly. Sie hatte es gehasst, verantwortlich zu sein. Sie hatte es gehasst, Entscheidungen zu treffen. Jetzt musste sie nicht mehr. Jetzt musste sie nur noch hübsch sein. Nur noch da sein.
Ich dachte an Sarah. An Bella. Sie hatte gehasst zu denken, zu fühlen. Jetzt war sie Bella. Eine glückliche Hündin, die gestreichelt werden wollte, die einen Knochen nagen wollte, die ihren Besitzer erwartete.
Ich dachte an Honey. Ihre stillen Lippen, die formten: „Machen Sie mich zu etwas. Bitte." Sie würde es nächste Woche sein. Ein lautloses Objekt, mit Tattoos, die sie für immer kennzeichneten, mit Händen, die nur noch Löcher waren, mit einem Körper, der nur noch zum Benutzen da war.
Ich dachte an Rebecca. An Bessy. Die Philosophie-Dozentin, die nach Sinn gesucht hatte und ihn in der Laktation und der Schwangerschaft gefunden hatte. Sie würde es nächste Woche sein. Besamt. Geschwängert. Nützlich auf die primitivste Art.
Und ich dachte an Jessica. An Toy. Die Kunststudentin, die nicht mehr fühlen wollte. Sie lag auf dem Boden, ein Spielzeug, das nur noch auf Berührung reagierte, ein Körper ohne Seele.
Ich trank meinen Wein aus. Die Stille in meiner Wohnung war laut. Ich war allein. Ich war verantwortlich. Ich traf die Entscheidungen. Ich war das, was sie alle nicht mehr sein wollten.
Manchmal, in diesen dunklen, stillen Momenten, fragte ich mich, wer von uns der Verrücktere war. Sie, die aufgehört hatten zu sein, was sie waren? Oder ich, der ich sie dabei half?
Ich schüttelte den Gedanken ab, stellte das Glas in die Spüle, ging ins Bett. Morgen war ein neuer Tag.
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