Novella
Birke Becker presents
5.0 (6)
Chapter 6 of 17
Der große Speisesaal des Königlich-Kaiserlichen Internats Bad Godesberg war erfüllt von einem ungewöhnlichen Summen. Normalerweise herrschte während des Abendessens eine strenge Stille, unterbrochen nur vom leisen Klappern des Bestecks und dem Räuspern der Aufsichtslehrer. Doch heute Abend war die Luft elektrisch geladen, ein Gemurmel von aufgeregten Stimmen durchzog den Raum wie ein Bienenschwarm. Die Nachricht von der bevorstehenden Bestrafung von Klothilde von Hohenzollern und Gottfried hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet, und die Schüler tauschten heimlich Blicke und tuschelten hinter vorgehaltener Hand.
Annegret und Ilse saßen an ihrem üblichen Tisch, die Köpfe gesenkt, während sie ihre dünne Kartoffelsuppe löffelten. Jeder Bissen schmeckte wie Asche in Annegrets Mund. Ihr Gesäß pochte noch immer schmerzhaft, eine ständige Erinnerung an ihre eigene Demütigung. Doch heute Abend war der Schmerz mit einer seltsamen, fast unheimlichen Erregung gemischt. Sie würden Zeugen der Gerechtigkeit werden. Oder zumindest dessen, was Frau Richter für Gerechtigkeit hielt.
Annegrets Gedanken rasten. Sie stellte sich vor, wie Klothilde auf der Bühne stehen würde, entblößt, gedemütigt. Ein Teil von ihr sehnte sich nach dieser Rache, nach der Genugtuung, Klothilde leiden zu sehen, so wie sie selbst und Ilse gelitten hatten. Doch ein anderer Teil, der schüchterne, fügsame Teil, fürchtete die Brutalität, die sich entfalten würde. Konnte sie wirklich die Hand erheben und Klothilde schlagen? Die Vorstellung war beängstigend und doch… gerecht.
Ilse neben ihr war ungewöhnlich still. Ihre Augen, normalerweise von einer kindlichen Neugier erfüllt, waren heute ernst und nachdenklich. Sie wusste, dass die Rache, so süß sie auch sein mochte, eine neue Ebene der Grausamkeit in das Internat bringen würde. Aber sie wusste auch, dass es notwendig war. Für Annegret. Für die Wahrheit. Sie spürte Annegrets Anspannung und legte unauffällig ihre Hand unter dem Tisch auf Annegrets Knie, ein stummer Ausdruck ihrer unerschütterlichen Loyalität.
An den anderen Tischen wurde geflüstert. „Hast du gehört? Dreißig Schläge! Und sie soll…“ „Nackt! Ich kann es kaum glauben!“ „Endlich bekommen die Adligen auch mal, was sie verdienen.“ „Aber Klothilde ist doch die Großnichte des Kaisers! Das kann doch nicht wahr sein“. Die Gerüchteküche brodelte, und die Spannung stieg mit jedem Moment.
Am Lehrertisch saß Frau Richter, ihre Haltung war makellos, ihr Gesichtsausdruck unbewegt. Sie aß ihren Lachs mit ruhigen, gemessenen Bewegungen, als wäre dies ein ganz gewöhnlicher Abend. Doch ihre Augen, scharf und wachsam, nahmen jedes Detail wahr. Das Tuscheln der Schüler, die nervösen Blicke, die auf sie gerichtet waren.
Nachdem sie ihren Teller beiseite geschoben hatte, hob Frau Richter die Hand. Ein Diener, der in der Nähe stand, eilte herbei. „Sagen Sie dem Pförtner, dass das Tor, das in den Schulpark führt, ausnahmsweise bereits vor Anbruch der Dunkelheit verriegelt werden soll“, wies sie ihn an, ihre Stimme war klar und durchdringend. „Niemand darf den Park nach dem Abendessen betreten. Das Tor muss verschlossen sein. Diese Maßnahme dient der Sicherheit und der ungestörten Durchführung der heutigen Ereignisse.“
Frau Richter ließ ihren Blick über die versammelten Schüler schweifen. Ein kaum merkliches Zucken um ihre Lippen. Sie wusste, dass Klothilde und Gottfried in ihren Zimmern eingesperrt waren, ihre Mahlzeiten dort eingenommen hatten und nun darauf warteten, zur Vollstreckung der Strafe abgeholt zu werden. Sie wusste auch, dass Klothildes Vater unterwegs war, und dass das Telegramm, das er geschickt hatte, auf ihrem Schreibtisch lag, ungeöffnet und unbeachtet. Das Tor würde verriegelt sein, und niemand würde die heutige Gerechtigkeit stören können.
Dann wandte sie sich wieder ihrem Teller zu, auf dem noch ein Stück Lachs lag. Sie nahm ihre Gabel und stach hinein, ihre Miene war wieder vollkommen ruhig. Der Plan lief nach ihrem Willen.
Die Stille in Klothildes Einzelzimmer war erdrückend. Jeder tickende Schlag der alten Wanduhr im Flur war ein Hammerschlag auf ihre Nerven. Sie saß steif auf der Kante ihres Bettes, die Hände fest ineinander verschränkt, ihre Augen starr auf die Tür geheftet. Es war Abend. Das Abendessen war längst vorbei, und die Dunkelheit legte sich wie ein schwerer Mantel über das Internat. Ihr Vater. Er musste es geschafft haben. Das Telegramm. Er würde kommen, er würde diese Farce beenden, bevor es zu spät war. Die Vorstellung, nackt vor der gesamten Schule zu stehen, von dieser bürgerlichen Lutz gezüchtigt zu werden, war eine Qual, die schlimmer war als jeder körperliche Schmerz.
Plötzlich hörte sie Schritte auf dem Gang. Schwere, gemessene Schritte, die sich ihrer Tür näherten. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. War es der Direktor? Oder ihr Vater? Ein Hoffnungsschimmer durchzuckte sie, doch er erstarb, als die Schritte direkt vor ihrer Tür Halt machten. Ein Schlüssel klapperte im Schloss, die Klinke wurde heruntergedrückt.
Die Tür öffnete sich, und der Pedell, ein stämmiger Mann mit einem ernsten Gesicht, trat in den Raum. Sein Blick war unbewegt. „Fräulein von Hohenzollern“, sagte er, seine Stimme war tief und ohne jegliche Andeutung von Respekt oder Mitleid. „Der Herr Direktor erwartet Sie in der Aula.“
Klothildes Magen zog sich zusammen. Es war also so weit. Aber ihr Vater… Sie musste die Hoffnung bewahren. „Mein Vater… ist er schon hier?“, fragte sie, ihre Stimme war dünn.
Der Pedell schüttelte den Kopf. „Nicht, dass ich wüsste, Fräulein. Bitte folgen Sie mir. Ohne Verzögerung.“
Mit zitternden Knien erhob sich Klothilde. Sie strich ihr Kleid glatt, versuchte, eine Fassade der Würde aufrechtzuerhalten, die sie nicht fühlte. Jeder Schritt auf dem Weg zur Aula war eine Qual. Die Gänge waren leer, die Stille schien ihre Angst zu verstärken.
Als sie die Aula betrat, schlug ihr die Hitze der vielen Körper entgegen. Der Raum war prall gefüllt. Jeder einzelne Schüler, jeder Lehrer saß auf seinem Platz, ihre Blicke waren auf die Bühne gerichtet. Klothilde spürte die tausend Augenpaare auf sich, die Mischung aus Neugier, Abscheu und heimlicher Genugtuung. Ihr Blick huschte zur Bühne. Und tatsächlich: Da stand nur ein Strafbock.
Ein winziger Hoffnungsschimmer keimte in ihr auf. Vielleicht… vielleicht würde nur Gottfried bestraft? Vielleicht hatte ihr Vater doch noch etwas bewirken können, auch wenn er nicht persönlich anwesend war? Die Erleichterung war so kurz wie intensiv.
Gottfried stand bereits neben dem Strafbock, sein Gesicht war aschfahl, seine Hände zitterten. Er sah Klothilde an, ein Blick voller Angst und Vorwurf.
Direktor Hoffmann trat vor, sein Gesicht war ernst, fast bedauerlich. „Schülerinnen und Schüler! Kollegium! Wir sind heute Abend hier versammelt, um ein Urteil zu vollstrecken, das uns allen als Mahnung dienen soll.“ Er räusperte sich. „Herr Gottfried und Fräulein von Hohenzollern haben sich eines schwerwiegenden Vergehens schuldig gemacht, das die moralischen Grundsätze unserer Anstalt zutiefst verletzt hat.“
Klothilde hielt den Atem an.
„Zunächst wird Herr Gottfried seine gerechte Strafe erhalten“, fuhr der Direktor fort, seine Stimme war tief und unerbittlich. „Dann wird Fräulein von Hohenzollern ihre Strafe empfangen.“
Klothildes Hoffnung zerbrach in tausend Scherben. Beide. Sie würde auch bestraft werden. Und der einzelne Strafbock? Ein grausamer Trick.
„Herr Gottfried! Treten Sie vor an den Strafbock!“, befahl der Direktor.
Gottfried gehorchte, seine Knie schienen unter ihm nachzugeben. Er stellte sich vor den Bock, seine Schultern sackten resigniert zusammen. Klothilde wich zur Seite, ihre Augen fixierten ihn, eine Mischung aus Mitleid und dem Wissen, dass er ihr Schicksal teilte.
Frau Richter trat vor, ihr Gesicht war unbewegt, doch in ihren Augen lag eine eiserne Entschlossenheit. Neben ihr stand Ilse, ihre kleine Gestalt wirkte in der großen Aula zerbrechlich, doch sie hielt den Rohrstock fest in ihrer Hand.
„Herr Gottfried“, sagte Frau Richter, ihre Stimme war klar und fest. „Sie haben sich der Unzucht schuldig gemacht. Dafür werden Sie nun die Konsequenzen tragen. Legen Sie Ihre Hose ab und beugen Sie sich über den Strafbock!“
Gottfrieds Augen weiteten sich vor Schock, sein Gesicht wurde noch blasser. Die Vorstellung, sich vor der gesamten Schülerschaft zu entblößen, war eine Demütigung, die er sich niemals hätte ausmalen können. Doch der eiserne Blick von Frau Richter und die unerbittliche Stille der Aula ließen ihm keine Wahl. Mit zitternden Händen begann er, seine Hose zu öffnen. Jeder Knopf, jede Bewegung war eine Qual. Als die Hose zu seinen Knöcheln fiel, stand er nur noch in seiner langen Unterhose und Hemd und Blazer da. Doch auch die Unterhose musste fallen, das wusste er. Entschlossen zog er sie runter und stand nun nackt vor der Schule … wenn auch sein Hemd seine Männlichkeit so gerade eben bedeckte. Ein leises, aber unverkennbares Raunen ging durch die Reihen der Schüler, als die Umrisse unter seinem Unterhemd deutlich wurden. Die Scham war überwältigend, doch eine andere, unbehagliche Regung schien sich in ihm zu regen, die für alle sichtbar war.
Er beugte sich über den Strafbock, sein Gesicht war von Scham und Angst verzerrt. Frau Richter schob das Hemd nach oben, so dass er sein Gesäß ungeschützt und bloß der gesamten Aula präsentierte. Frau Richter hob den Rohrstock. Die Stille in der Aula war unerträglich. Der erste Hieb zischte durch die Luft.
Der erste Hieb traf Gottfrieds entblößtes Gesäß mit einem scharfen, peitschenden Knall. Er zuckte am ganzen Körper zusammen, ein unterdrückter Laut entwich seinen Lippen. Klothilde, die zur Seite gewichen war, presste die Hand vor den Mund, ihre Augen waren weit vor Entsetzen. Der Anblick, wie Gottfried litt, war schlimmer, als sie es sich vorgestellt hatte.
Frau Richter schlug mit präziser, unerbittlicher Kraft. Jeder Hieb war ein lauter Knall, der durch die Aula hallte, gefolgt von Gottfrieds Keuchen und Zucken. Er presste die Lippen aufeinander, seine Finger krallten sich in das Holz des Strafbocks. Nach dem fünften Schlag begann sein Gesäß bereits sich zu röten, und ein Zittern durchlief seinen Körper. Doch es waren noch viele Schläge zu erwarten.
Frau Richter setzte ihre Schläge fort, methodisch und unnachgiebig. Zehn Schläge. Fünfzehn Schläge. Gottfrieds Atem wurde unregelmäßig, ein schnelles, flaches Keuchen, das die Stille der Aula durchbrach. Sein Körper spannte sich bei jedem Aufprall des Stocks, und ein seltsames, unwillkürliches Zucken durchlief seine Gliedmaßen. Ein feiner Schweißfilm überzog seine Stirn, und seine Wangen waren nicht nur vor Scham, sondern auch vor einer inneren Erregung gerötet. Die Art, wie sich sein Körper unter der Pein verkrampfte und dann wieder entspannte, war für viele im Saal, besonders für die älteren Schüler und einige Lehrer, nicht zu übersehen.
Nach fünfzehn Schlägen, die Gottfrieds Gesäß bereits leuchtend rot und von Striemen durchzogen erscheinen ließen, trat Frau Richter einen Schritt zurück.
„Nun, Bukow! Ihre Hälfte!“, befahl sie, ihre Stimme war unbewegt.
Ilse trat vor, ihr Gesicht war blass, aber ihre Augen zeigten eine neue, kühle Entschlossenheit. Sie hob den Rohrstock, wie Frau Richter es ihr beigebracht hatte. Ihr erster Schlag war nicht so kräftig wie der der Lehrerin, aber er war präzise und traf Gottfrieds bereits gezeichnetes Gesäß. Gottfried stöhnte laut auf, seine Schultern bebten. Ilse schlug weiter, jeder Schlag war ein Akt der Gerechtigkeit für Annegret, für sich selbst, für die Demütigung, die sie erlitten hatten. Zehn, elf, zwölf… Mit jedem Hieb wurde Ilses Hand sicherer, ihre Schläge fester. Sie sah, wie Gottfrieds Körper weiterhin zuckte, wie sein Atem sich beschleunigte, und ein Gefühl der Macht, vermischt mit Abscheu, durchzog sie. Die Blicke der anderen Schüler, die Gottfrieds Zustand bemerkten, waren eine Mischung aus Verwirrung und peinlicher Berührung.
Als der dreißigste und letzte Hieb fiel, war Gottfrieds Gesäß leuchtend rot und von tiefen Striemen durchzogen. Die letzten fünf Hiebe hatten ihm laute Schreie entlockt, zur Belustigung seiner Freunde. Er lag keuchend über dem Bock, sein Körper zitterte unkontrolliert, seine Würde war zerbrochen.
„Genug!“, donnerte Direktor Hoffmann. „Herr Gottfried, Sie dürfen sich anziehen und in Ihr Zimmer zurückkehren. Sie stehen bis auf Weiteres unter Arrest.“
Gottfried richtete sich mühsam auf, zog sich mit zitternden Händen an und schlich aus der Aula, ohne einen Blick zurückzuwerfen.
Nun war Klothilde an der Reihe. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, sie spürte, wie ihr die Knie weich wurden. Sie hatte gehofft, dass Gottfrieds Bestrafung lang genug dauern würde, dass ihr Vater noch rechtzeitig eintreffen würde. Doch die Tür blieb geschlossen.
Direktor Hoffmann trat vor, sein Gesicht war nun wieder der Ausdruck unerbittlicher Strenge, den Klothilde so gut kannte. „Fräulein von Hohenzollern“, sagte er, seine Stimme war tief und unerbittlich. „Sie haben nicht nur gegen die Regeln unserer Anstalt verstoßen, sondern auch wissentlich die Wahrheit verdreht und unschuldige Schülerinnen in Schande gestürzt. Ihre Schuld ist unbestreitbar.“
Klothilde hob den Kopf, ihre Augen trafen die des Direktors. Ein letzter Funke Trotz glühte in ihr auf. „Mein Vater wird das nicht zulassen! Sie werden dafür bezahlen!“
Der Direktor lächelte kalt. „Ihr Vater ist nicht hier, Fräulein von Hohenzollern. Und die Gerechtigkeit wird ihren Lauf nehmen. Entledigen Sie sich jeglicher Kleidung!“
Ein Raunen ging durch die Aula, ein Gemurmel des Schocks und des Unglaubens. Die Schüler, die bereits Gottfrieds Bestrafung gesehen hatten, waren nun Zeugen einer noch größeren Demütigung. Klothilde, die stolze, adlige Klothilde, sollte sich vor ihnen allen entblößen.
Klothildes Gesicht wurde aschfahl. Ihre Augen huschten über die Reihen der Schüler, die nun alle auf sie starrten. Sie sah die schadenfrohen Blicke ihrer ehemaligen Freundinnen, die entsetzten Gesichter einiger jüngerer Mädchen, und die unbewegten, aber wachsamen Augen der Lehrer. Die Scham war überwältigend, ein brennendes Feuer, das ihren ganzen Körper erfasste.
„Ich… ich kann nicht!“, flüsterte sie, ihre Stimme war kaum zu hören.
„Sie werden!“, donnerte der Direktor. „Oder ich werde den Pedell anweisen, Ihnen zu helfen!“
Klothilde wusste, dass sie keine Wahl hatte. Mit zitternden Händen begann sie, die Knöpfe ihres Kleides zu lösen. Jeder Knopf, der aufging, war ein Stich in ihre Seele. Das Kleid fiel zu Boden, dann das Unterhemd, die Unterhose. Sie stand da, nackt und bloß, vor der gesamten Schule. Die Luft war kalt auf ihrer Haut, aber die Scham brannte heißer als jede Flamme. Ihre Arme schlangen sich um ihren Körper, als wollte sie sich unsichtbar machen, doch es gab kein Entrinnen. Tränen liefen ihr nun ungehindert über die Wangen.
„Hände an den Seiten!”, ließ sich Frau Richter vernehmen. Klothilde gehorchte zögernd. Die Schule konnte nun ihre Nacktheit, ihre zarte, adelige Statur, ihre kleinen, leicht nach oben zeigenden Brüste und ihre blonde Scham ausgiebig betrachten.
Erst nach einer kleinen Ewigkeit befahl der Direktor: „Beugen Sie sich über den Strafbock!“
Klothildes Bewegungen waren steif und ungelenk. Sie legte sich über den Bock, ihr nacktes Gesäß war den Blicken der gesamten Aula preisgegeben. Frau Richter und der Direktor schnallten ihre Beine and die Beine des Strafbocks - jetzt waren ihre Beine leicht gespreizt und der versammelten Schule zugewendet. Alle konnten alles sehen. Die Demütigung war vollständig.
Direktor Hoffmann nahm den Rohrstock. Neben ihm trat Annegret vor, ihr Gesicht war blass, aber ihre Augen waren fest. Sie hielt den Rohrstock, den Frau Richter ihr gegeben hatte.
Der Direktor hob den Stock. Der erste Hieb zischte durch die Luft und traf Klothildes nacktes Gesäß mit einem scharfen, peitschenden Knall. Klothilde schrie auf, ein lauter Schrei, der durch die Aula hallte. Doch Annegret, die den Rohrstock fest in ihrer Hand hielt, bemerkte sofort eine Diskrepanz. Der Schlag war zwar laut, aber er besaß nicht die brutale Wucht, mit der der Direktor noch gestern Annegrets und Ilses Gesäße getroffen hatte. Es war ein Schlag, der darauf abzielte, zu erschrecken und zu demütigen, aber nicht, um tiefen Schmerz zu verursachen.
Direktor Hoffmann hob den Stock erneut, seine Miene war ernst, aber seine Bewegungen waren weniger energisch, weniger präzise als er es bei der Bestrafung der beiden bürgerlichen Mädchen gewesen war. Der zweite Hieb traf Klothilde, und wieder entwich ihr ein Schrei, doch die Kraft dahinter war spürbar geringer als bei Annegrets eigener Züchtigung am Tag zuvor. Der Direktor schien die Schläge eher zu platzieren als sie mit voller Wucht auszuführen. Ein leises Murmeln ging durch die Reihen der Schüler, die den Unterschied ebenfalls bemerkten. Einige der adligen Mädchen, die zuvor noch sehr besorgt gewesen waren, atmeten erleichtert auf.
Der Direktor fuhr fort, seine Schläge waren zwar regelmäßig, aber die Intensität ließ nach. Fünf, sechs, sieben Schläge. Klothilde wimmerte und zuckte, aber ihre Schreie wurden leiser, als sie merkte, dass der Schmerz zwar unangenehm, aber erträglich war. Ihr Gesäß rötete sich, doch die Striemen, die sich bei Annegret, Ilse und Gottfried gebildet hatten, blieben aus. Es war eine Inszenierung der Strenge, eine Pflichtübung, die den Anschein von Gerechtigkeit wahren sollte, ohne die kaiserliche Großnichte tatsächlich zu verletzen.
Annegret beobachtete dies mit einem bitteren Gefühl der Ungerechtigkeit. Sie hatte ihre volle Strafe erhalten, erbarmungslos und schmerzhaft. Gottfried hatte ebenfalls gelitten. Doch Klothilde, die wahre Drahtzieherin, wurde mit Samthandschuhen angefasst. Der Stand, der Name – sie schützten sie selbst vor der Härte des Direktors.
Nach fünfzehn Schlägen, die eher wie eine sanfte Zurechtweisung wirkten, als eine harte Züchtigung, trat Direktor Hoffmann einen Schritt zurück. Sein Gesicht war nun wieder der Ausdruck unerbittlicher Strenge, als wäre er mit seiner Arbeit zufrieden. „Das genügt für meine Hälfte, Fräulein von Hohenzollern“, sagte er, seine Stimme war tief und fest. „Nun, Lutz! Ihre Hälfte!“
Annegret trat vor, ihr Herz pochte. Sie hielt den Rohrstock fest in ihrer Hand. Sie sah Klothildes nacktes Gesäß, das nun leicht gerötet war, aber nicht die blutunterlaufenen Striemen aufwies, die sie selbst und Ilse ertragen mussten. Ein kalter Zorn stieg in ihr auf. Dies war ihre Chance. Ihre Chance, Gerechtigkeit zu üben, die der Direktor verweigert hatte.
Ihr Stock zischte durch die Luft, und mit jedem Schlag traf sie Klothilde mit der vollen Wucht der Ungerechtigkeit, die sie selbst und Ilse erlitten hatten. Klothildes Schreie wurden wieder schärfer, ihre Zuckungen heftiger. Ihr Gesäß begann, sich zu röten und die ersten deutlichen Striemen zeigten sich unter Annegrets Hieben. Die Lektionen in der Turnhalle fruchteten. Das merkte auch Klothilde.
Die Zeit schien sich zu dehnen. Zehn Schläge. Zwölf Schläge. Klothildes Atem ging in kurzen, panischen Zügen. Sie presste das Gesicht in den Strafbock, ihre Schultern zitterten unkontrolliert. Die Scham und der Schmerz waren nun unerträglich. Sie hatte sich geirrt. Annegret war nicht mehr die fügsame Lutz.
Fünfzehn Schläge hatte der Direktor verabreicht, vierzehn Schläge Annegret. Diese hob den Stock zum letzten Mal, um den dreißigsten Hieb zu setzen.
In diesem Augenblick, als sie ausholte, um den finalen Schlag zu verabreichen, krachte die Seitentür der Aula, die zum Lehrerzimmer führte, mit einem lauten Knall auf. Alle Blicke schossen dorthin.
Im Türrahmen stand der Prinz von Hohenzollern, sein Gesicht war rot vor Zorn und Anstrengung. Seine Kleidung war zerzaust, sein Atem ging in kurzen, schnellen Zügen. Hinter ihm waren zwei Diener und der Kutscher zu sehen, die sichtlich erschöpft waren. Sie hatten sich nur unter Aufwendung seiner ganzen Autorität und seines kaiserlichen Namens Zutritt verschafft. Der Pförtner hatte seinen anfänglichen Widerstand aufgegeben - aber das verschlossene Tor hatte den Prinzen gerade lange genug aufhalten können.
„Halt!“, brüllte der Prinz, seine Stimme hallte durch die Aula. „Ich untersage diese Schande! Sofort!!“
Doch seine Worte kamen zu spät. In dem Moment, als sein Schrei durch den Raum drang, fiel der Rohrstock zum letzten Mal. Mit einem letzten, scharfen, peitschenden Knall traf er Klothildes nacktes Gesäß. Es war der dreißigste Hieb. Klothilde schrie auf, ein markerschütternder Schrei, der vor Schmerz und Demütigung zeugte. Ihr Körper zuckte ein letztes Mal heftig.
Der Prinz von Hohenzollern starrte entsetzt auf die Bühne. Er sah seine Tochter, nackt und gedemütigt, über dem Strafbock liegen, ihr Gesäß war rot und von Striemen gezeichnet. Er war zu spät gekommen. Die Schande war vollzogen. Sein Gesicht wurde aschfahl, und er brach fast zusammen, seine Diener mussten ihn stützen. Nur noch ein Gedanke: „Rache!”
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