Beratungsgespräch - Eine Fortsetzung der Internatsgeschichte von orsgeschichten - Chapter 10 | Fet Library

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Birke Becker presents

Beratungsgespräch - Eine Fortsetzung der Internatsgeschichte von orsgeschichten

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Chapter 10 of 34

Die Antwort der Eltern

Zwei Tage später saß Professor Lirpa in der Stille seines Büros. Alina brachte die Morgenpost. Darunter ein Brief, dessen Absender er sofort erkannte. Er öffnete ihn mit einem silbernen Brieföffner. Die Handschrift von Herrn Meier war zittrig, aber der Inhalt war fest.

Sehr geehrter Herr Professor Lirpa,

wir danken Ihnen aufrichtig für Ihren ausführlichen Bericht und für die Einladung, der notwendigen Disziplinierung unserer Tochter beizuwohnen. Bitte entschuldigen Sie, dass wir aufgrund der kurzfristigen Zustellung Ihres Schreibens nicht anwesend sein konnten. Wir bedauern dies zutiefst, denn wir sind überzeugt, dass es auch für uns als Eltern eine wichtige Lektion gewesen wäre, zu sehen, mit welcher Konsequenz Sie die Fehler unserer kleinen Bestie korrigieren.

Ihre Analyse von Lindas Charakter hat uns die Augen geöffnet. Wir erkennen nun, dass wir mit ihrer Erziehung überfordert waren und dass unsere nachgiebige Art ihr mehr geschadet als genutzt hat. Ihr Bericht über den tätlichen Angriff hat uns schockiert und uns in unserer Entscheidung nur bestärkt.

Wir nehmen Ihre Empfehlung daher mit größter Dankbarkeit an. Wir stimmen der Umwandlung der Probezeit in einen permanenten Aufenthalt vollumfänglich zu. Bitte betrachten Sie dies als unsere formelle Zusage, dass Linda für mindestens ein weiteres Schuljahr in Ihrer Obhut bleiben wird. Wir vertrauen voll und ganz auf Ihre Expertise und Ihre bewährten pädagogischen Fähigkeiten und bedanken uns, dass die Schule auf die Schulgebühren verzichtet. 

Wir  sind auch dankbar für Ihren Vorschlag, Linda über die Ferien im Internat zu behalten und individuell zu fördern. Wir fürchten wie Sie, dass sechs Wochen Ferien bei uns Ihre gute Arbeit wohlmöglich zunichte machen könnten.

Wir werden die Vertragsunterlagen umgehend nach Erhalt unterzeichnen.

In tiefem Vertrauen und mit aufrichtigem Dank,

Familie Meier

Professor Lirpa legte den Brief auf seinen Schreibtisch und ein leises, zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen. Er hatte sie. Vollständig und ohne jeden Zweifel. Die Eltern waren nicht nur Komplizen, sie waren zu gläubigen Anhängern geworden.

Sein Angebot, ihnen die Gebühren zu erlassen, wäre vielleicht nicht nötig gewesen, dachte er etwas bedauernd. Aber sicher ist sicher. Er hatte Pläne für Linda. Große Pläne. Das Geld war eine Investition. Aber schon bevor diese fruchten würde, hatte er Ideen, wie sich Linda monetisieren lassen würde. Weitaus lukrativere Pläne. Er hatte in den letzten Monaten diskrete Anfragen von einigen sehr vermögenden Gönnern der Schule erhalten. Männer und Frauen, die nicht nur spendeten, sondern auch ein... besonderes Interesse an den praktischen Aspekten der Pädagogik zeigten. Sie waren fasziniert von fortgeschrittenen, individuellen Erziehungsdemonstrationen. Linda, mit ihrer dokumentierten Widerstandsfähigkeit, ihrer nunmehr öffentlichen Schande und ihrem gebrochenen Willen, war das perfekte Subjekt. Ein exklusives Studienobjekt für ein sehr exklusives Publikum.

Das war ein Geschäftsmodell mit weitaus mehr Potenzial als simples Schulgeld. Ja, dachte Professor Lirpa, während er aus dem Fenster auf den leeren Appellplatz blickte. Lindas Erziehung hatte gerade erst richtig begonnen.


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