Novella
Birke Becker presents
4.6 (9)
Chapter 14 of 34
Nach der kalten, intellektuellen Grausamkeit des Richters war die Ankunft des Industriellen wie der Einbruch einer Naturgewalt. Er war anders als die beiden anderen. Er war kein Mann der subtilen psychologischen Spiele oder der unpersönlichen Logik. Er war ein Mann der rohen, unverfälschten Macht, des Besitzes und der ungeschminkten, animalischen Begierde. Er behandelte Linda nicht wie eine Schülerin oder einen Fall, sondern wie ein teures, exklusives Eigentum, das er erworben hatte, um es nach Belieben zu benutzen.
Er ließ sie am Montagmorgen in seine Suite bringen. Sie kniete, wie es ihr beigebracht worden war, in der Mitte des Raumes, nackt und mit gesenktem Kopf. Er umkreiste sie langsam, seine schweren Schritte ließen die Dielen knarren. Er roch nach Zigarren und teurem Eau de Cologne.
„Steh auf“, befahl er.
Sie erhob sich. Er trat vor sie und legte ihr ein Halsband aus feinem, schwarzem Leder um. Es war schlicht, aber an der Vorderseite war eine kleine, silberne Plakette angebracht, auf der seine Initialen eingraviert waren. Der Verschluss klickte leise zu.
„Das bleibt dran, solange ich hier bin“, sagte er mit seiner dröhnenden Stimme. „Damit du nicht vergisst, wem du gehörst.“
Er packte sie am Halsband und zerrte sie zum Bett. Er stieß sie darauf und beugte sich über sie, sein schwerer Körper presste sie in die Matratze. Sie spürte seinen schnellen, gierigen Atem auf ihrer Haut. Aber dann, nach einigen Momenten des groben Fummelns, spürte sie seine wachsende Frustration. Sein Körper gehorchte seinem Willen nicht. Er war schlaff.
Mit einem wütenden Grunzen stieß er sich von ihr ab. „Nutzlos“, knurrte er, aber es war unklar, ob er sie oder sich selbst meinte. Er starrte sie an, wie sie nackt und verletzlich auf dem Bett lag. Sein Blick war kalt und abschätzend, als würde er ein fehlerhaftes Maschinenteil inspizieren.
„Du erregst mich nicht“, sagte er, als wäre es ihre Schuld. „Du liegst nur da wie ein Stück Fleisch beim Metzger.“
Er zog sie vom Bett, drehte sie um und drückte sie mit dem Oberkörper auf die Matratzenkante. Dann legte er sie sich übers Knie, so wie ein Vater ein unartiges Kind bestrafen würde. Ihre Hüften waren der höchste Punkt, ihr Hintern war ihm perfekt präsentiert.
„Vielleicht erinnert dich das an deine Pflicht“, sagte er.
Seine Hand war schwer und schwielig. Der erste Schlag traf sie mit einer schallenden Wucht, die sie nach Luft schnappen ließ.. Ein brutaler, demütigender Schlag. Er schlug wieder zu, und wieder, seine Hand landete auf ihren Pobacken, ein unregelmäßiger, wütender Rhythmus. KLATSCH! KLATSCH! KLATSCH! Sie schrie nicht, sie wimmerte nur leise bei jedem Aufprall. Sie spürte, wie ihre Haut heiß wurde, wie sie zu brennen begann. Und sie spürte etwas anderes. Sie spürte, wie sein Körper, der an ihren gepresst war, sich veränderte. Sie spürte, wie seine Erektion gegen ihren Oberschenkel drückte, hart und fordernd, genährt von ihrer Demütigung und ihrem Schmerz.
Als er bereit war, hörte er abrupt auf. Er drehte sie um und drang in sie ein, schnell und brutal. Es war kein Akt der Leidenschaft, es war ein Akt der Entladung, so beiläufig und anspruchsvoll wie das Anzünden einer Zigarre. Als er fertig war, stieß er sie von sich. „Reinige dich“, sagte er. „Und dann kniest du neben meinem Stuhl, bis ich dich wieder brauche.“
Am nächsten Tag wiederholte sich das schreckliche Ritual. Seine Begierde erwachte, aber sein Körper versagte. Diesmal war sein Zorn größer, seine Geduld geringer.
„Du bist langweilig“, zischte er. „Deine Unterwerfung ist passiv. Du inspirierst mich nicht.“
Er stand auf und zog seinen schweren Ledergürtel aus der Hose. Die schwere Silberschnalle klimperte auf dem Boden. „Vielleicht braucht es einen stärkeren Anreiz.“
Er zwang sie wieder übers Knie. Der erste Hieb des Gürtels war ein Schock. Das Leder war härter, der Schmerz schärfer, schneidender. Er schlug unerbittlich zu, nicht nur auf ihren Hintern, sondern auch auf ihre Oberschenkel und ihren unteren Rücken. Sie schrie, aber ihre Schreie schienen seinen Zorn und seine Erregung nur noch anzufachen. Wieder spürte sie den Moment, in dem sein Körper reagierte, den Moment, in dem ihre Qual seine Lust entzündete. Und wieder folgte der schnelle, brutale Akt der Befriedigung, der sie zitternd und weinend zurückließ.
Am dritten Tag stumpfte er weiter ab. Die Hand reichte nicht mehr, der Gürtel verlor seine Wirkung. Seine Frustration war explosiv. Er durchsuchte sein Gepäck und zog einen dünnen, eleganten Rohrstock aus Rattan hervor – ein Souvenir, das er sich bei einem seiner Besuche im Institut besorgt hatte.
„Mal sehen, ob ein Werkzeug der wahren Disziplin hilft“, sagte er.
Die Angst, die Linda ergriff, war anders. Das war kein spontaner Wutausbruch mehr. Das war ein kalkulierter Akt der Grausamkeit. Der Rohrstock war dünn, aber sie wusste, welchen brennenden, schneidenden Schmerz er verursachen konnte. Er zwang sie über einen Stuhl, und die Hiebe, die folgten, waren präziser, bösartiger. Jeder einzelne hinterließ eine feuerrote Strieme auf ihrer Haut. Und wieder wartete er, bis ihre Schmerzensschreie ihn in den Zustand versetzt hatten, den er brauchte, um sich zu nehmen, was er als sein Recht betrachtete.
Die Woche war eine endlose Spirale aus seiner sexuellen Frustration, die zu ihrer körperlichen Qual führte, die wiederum seine sexuelle Fähigkeit wiederherstellte. Sie lernte, die Zeichen zu lesen: die Anspannung in seinem Kiefer, das Zucken in seinen Fingern. Sie wusste, wann der Moment kam, und ihr Körper begann bereits zu zittern, bevor er überhaupt nach einem Instrument griff.
Am Samstag, dem letzten Tag, war er sie endgültig leid. Nichts schien mehr zu wirken. Weder die Hand, noch der Gürtel, noch der Rohrstock. Ihr Körper war eine Landkarte aus blauen Flecken und Striemen, aber sein Körper blieb ungerührt. Er starrte sie an, wie sie nackt und zitternd vor ihm kniete, und in seinen Augen war keine Lust mehr, nur noch eine kalte, gelangweilte Verachtung.
„Du bist kaputt“, sagte er. „Verbraucht. Du erregst mich nicht mehr.“
Er stand auf, zog sich an und verließ die Suite, ohne ein weiteres Wort. Seine Woche war vorbei.
Professor Lirpa fand sie Stunden später, immer noch nackt auf dem Boden kauernd, das Halsband um ihren Hals. Er betrachtete die Wunden an ihrem Körper, sein Gesicht war eine Maske der Enttäuschung. Aber die Enttäuschung galt nicht dem Industriellen. Sie galt ihr.
„Du hast versagt, Linda“, sagte er leise. „Deine einzige Aufgabe war es, ihm zu dienen. Ihn zufriedenzustellen. Und du hast versagt.“
„Ich… ich habe getan, was er wollte“, flüsterte sie.
„Du hast seinen Befehlen gehorcht“, korrigierte er sie. „Aber du hast seine Bedürfnisse nicht erfüllt. Du warst ein passives Objekt, kein aktives Instrument. Du hast Schmerz empfangen, aber du hast keine Lust erzeugt.“
Er trat näher und hob ihr Kinn. Er blickte ihr tief in die Augen, und in diesem Moment hatte er eine Erleuchtung. All die Monate der Züchtigung, der Demütigung, der Brechung ihres Willens – sie hatten ein perfektes Opfer geschaffen. Aber sie hatten keine Ahnung von der Kunst der Verführung, von den Techniken der Lust. Sie war eine leere Leinwand, auf die man Schmerz malen konnte, aber sie wusste nicht, wie man das Meisterwerk der Hingabe erschafft.
„Ich habe einen Aspekt deiner Ausbildung vernachlässigt“, sagte er nachdenklich. „Einen entscheidenden Aspekt.“
Ein neues, schreckliches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Das werden wir korrigieren müssen.“
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