Novella
Birke Becker presents
4.6 (9)
Chapter 16 of 34
Am Ende der dritten Woche, am Abend vor der Abschlussprüfung, saßen sie sich in der stillen Suite gegenüber.
„Meine Zeit hier ist um. Ich muss zu meinem Chef zurück. Morgen wirst du also geprüft“, sagte Alina, ihre Stimme war zum ersten Mal seit ihrer Ankunft nicht die einer Lehrerin, sondern die einer älteren Schwester, die ihre jüngere auf die brutalste aller Initiationsriten vorbereitet. „Es wird nicht wie diese Übungen sein. Diese Jungs waren Kinder. Morgen wirst du Männern gegenüberstehen. Männer, die Macht gewohnt sind. Männer, die sehr viel Erfahrung haben. Mit mir, mit vielen, vielen anderen. Männer, die keine Fehler verzeihen.“
Sie beugte sich vor. „Du musst verstehen, Linda. Es geht nicht darum, was du fühlst. Dein Ekel, deine Angst, dein Schmerz – all das ist irrelevant. Es existiert nicht. Das Einzige, was existiert, ist sein Vergnügen. Sein Wille. Seine Befriedigung. Du bist der Spiegel, in dem er seine eigene Macht erkennt. Je perfekter du diesen Spiegel polierst, desto wertvoller wirst du. Du musst zu seinem Traum werden, zu der Fantasie, von der er nicht wusste, dass er sie hat, bis du sie ihm präsentierst.“
Sie blickte Linda tief in die Augen. „Es gibt nur eine Note, die zählt. Perfektion. Alles andere bedeutet, dass du hierbleibst. Dass du wieder zu einem einfachen Nagel wirst, auf den jeder Hammer einschlagen kann. Verstehst du, was auf dem Spiel steht?“
„Ich verstehe“, flüsterte Linda. Und das war in der Tat so.
Der Abend der Prüfung war von einer feierlichen, fast sakralen Stille geprägt. Das Amphitheater war nur von wenigen, strategisch platzierten Kerzen beleuchtet, die lange, tanzende Schatten an die holzgetäfelten Wände warfen. In der ersten Reihe saßen die drei Prüfer: der Industrielle, dessen massige Gestalt eine Aura roher, ungeduldiger Macht ausstrahlte; Professor Lirpa, aufrecht und unbeweglich wie ein Richter auf seinem Thron; und in der Mitte, im größten und bequemsten Sessel, Herr van der Meer, dessen ruhige Gelassenheit die furchteinflößendste von allen war.
Alina stand im Halbdunkel neben Lirpas Stuhl, eine stille Beobachterin, deren Anwesenheit allein schon ein Maßstab war.
Linda wurde von zwei Präfekten auf die Bühne geführt. Sie war nackt, ihre Haut war von den Ölen, mit denen Alina sie vorbereitet hatte, leicht glänzend. Sie ging mit einer einstudierten Anmut, die nichts mehr mit dem verängstigten Mädchen zu tun hatte, das vor Wochen hier gezittert hatte.
Sie blieb in der Mitte der Bühne stehen und wartete.
Herr van der Meer ergriff das Wort, seine Stimme war ein leises, kultiviertes Schnurren, das mühelos den Raum füllte. „Linda. Deine Ausbildung ist abgeschlossen. Deine Lehrerin hat uns versichert, dass du bereit bist. Heute wirst du uns dies beweisen. Die Prüfung ist einfach. Du siehst vor dir drei Männer. Drei unterschiedliche Geschmäcker, drei unterschiedliche Arten von Macht. Deine Aufgabe ist es, jeden von uns zufriedenzustellen. Du wirst die aktive Rolle übernehmen. Du wirst einen nach dem anderen auswählen, ihn in eine der Suiten führen und ihm mit all der Kunst dienen, die dir gelehrt wurde.“
Sein Blick wurde scharf. „Nachdem du uns allen gedient hast, werden wir zurückkehren. Und jeder von uns wird dir eine Note geben. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: ‚Perfektion‘ oder ‚Versagen‘. Erhältst du von uns allen dreien die Note ‚Perfektion‘, hast du bestanden. Du wirst das Institut verlassen und eine Position einnehmen, die deiner neuen Qualifikation entspricht. Ein Leben von Überfluss und Privileg wird das deine sein. Gibt dir auch nur einer von uns die Note ‚Versagen‘, fällst du durch. Du wirst zwar weiter am Unterricht teilnehmen, aber in der Schule immer nackt sein, so dass alle dein Versagen erkennen. Außerdem erhältst du eine wöchentliche öffentliche Verabredung in der Bestrafungssuite.“
Er lehnte sich zurück. „Dein Schicksal liegt allein in deinen Händen. Triff deine erste Wahl.“
Linda ließ ihren Blick über die drei Männer schweifen. Es war ihr erster Zug in einem Spiel, bei dem sie nicht verlieren durfte. Sie analysierte sie, so wie Alina es sie gelehrt hatte. Van der Meer war der Endgegner, der anspruchsvollste, der Kenner. Ihn musste sie sich für den Schluss aufheben. Lirpa war der gefährlichste, der Psychologe, dessen Wünsche komplex und verdreht waren. Blieb der Industrielle. Er war der einfachste. Seine Wünsche waren primitiv, direkt, basierend auf roher Dominanz und körperlicher Unterwerfung. Mit ihm würde sie beginnen. Es war die logische Wahl.
Sie machte eine anmutige, respektvolle Verbeugung. Ihre Stimme, als sie sprach, war ruhig und melodisch, eine perfekte Kopie von Alinas Tonfall. „Ich würde gerne mit Ihnen beginnen, mein Herr“, sagte sie und blickte den Industriellen direkt an, ihr Blick eine einstudierte Mischung aus Schüchternheit und Einladung.
Der Industrielle grunzte zufrieden und erhob sich. Linda ging auf ihn zu, nahm sanft seine Hand und führte ihn von der Bühne, hinaus aus dem Amphitheater und in den stillen Korridor des Gästetrakts.
Prüfungsteil I: Der Industrielle
Sie führte ihn in die Suite, in der sie die letzten drei Wochen mit Alina verbracht hatte. Der Raum war ihr vertraut, eine Bühne, auf der sie jede Bewegung geprobt hatte.
„Bitte, setzen Sie sich“, sagte sie und deutete auf den großen Sessel am Kamin. Sie ging zur Bar, schenkte ihm einen Whisky ein, genau so, wie Alina es ihr gezeigt hatte – die Flasche mit einem Tuch haltend, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, das Glas mit einer eleganten Drehung füllend.
Sie brachte ihm das Glas, kniete vor ihm nieder und reichte es ihm mit beiden Händen. Während er trank, begann sie, seine Schuhe zu lösen und auszuziehen. Ihre Bewegungen waren fließend, selbstverständlich.
„Du hast dich verändert, kleines Tier“, sagte er, seine Stimme war ein tiefes Grollen. „Du bist nicht mehr so widerspenstig.“
„Ich habe gelernt, meinen Platz zu erkennen, mein Herr“, antwortete sie leise, ohne aufzublicken.
Nachdem sie seine Schuhe und Socken ausgezogen hatte, begann sie, seine Füße zu massieren, mit genau dem richtigen Druck, den Alina sie gelehrt hatte. Sie arbeitete sich langsam seine Beine hoch, ihre Berührungen waren respektvoll, aber bestimmt. Sie half ihm, sein Hemd auszuziehen, seine Hose. Sie faltete jedes Kleidungsstück ordentlich und legte es auf einen Stuhl.
Als er nackt im Sessel saß, begann die eigentliche Arbeit. Sie war nicht mehr das angewiderte, zitternde Mädchen seiner letzten Sitzung. Sie war eine Darstellerin. Sie benutzte ihren Körper, ihre Hände, ihren Mund mit einer technischen Perfektion, die ihn überraschte. Sie antizipierte seine Wünsche, noch bevor er sie aussprechen konnte. Sie wechselte den Rhythmus, die Intensität, spielte mit seiner Erwartung.
Als er sie auf das große Bett zog, war sie bereit. Er war ein Mann direkter, brutaler Begierden, und sie wusste, dass für ihn der ultimative Akt der Dominanz nicht in der Zärtlichkeit lag. „Dreh dich um“, knurrte er. Sie gehorchte sofort. Als er in ihren Enddarm eindrang, biss sie in das Seidenkissen, um einen echten Schmerzensschrei zu unterdrücken, und verwandelte ihn in ein tiefes, kehliges Stöhnen der Unterwerfung. Sie erinnerte sich an Alinas Worte: „Dein Schmerz ist irrelevant. Sein Vergnügen ist alles.“ Sie brachte ihn an den Rand des Orgasmus und zog sich dann zurück, verlängerte seine Lust, demonstrierte ihre absolute Kontrolle über seine Befriedigung. Als er schließlich in ihrem Mund kam (den Ekel vor dem Geschmack des eigenen Enddarms wußte Linda inzwischen zu unterdrücken), tat er es mit einem brüllenden, animalischen Schrei.
Sie verstand, dass er danach Ruhe und Zuneigung brauchte. Sie half ihm aufzustehen, führte ihn ins Badezimmer, wusch ihn mit warmen Tüchern, ihre Berührungen waren sanft und ehrerbietig. Sie half ihm, sich wieder anzuziehen, reichte ihm jedes Kleidungsstück in der richtigen Reihenfolge.
Als er wieder vollständig angezogen im Sessel saß und einen weiteren Whisky trank, wirkte er zutiefst zufrieden. Er war nicht nur sexuell befriedigt worden. Seine Macht war bestätigt und gespiegelt worden.
Linda kniete wieder vor ihm. „War der Service zu Ihrer Zufriedenheit, mein Herr?“, fragte sie.
Er lachte, ein tiefes, dröhnendes Lachen. „Zufriedenheit? Kleines, das war… eine Offenbarung.“ Er stand auf. „Bring mich zurück.“
Prüfungsteil II: Professor Lirpa
Als sie das Amphitheater wieder betraten, war die Atmosphäre unverändert. Lirpa und van der Meer saßen still da, als wäre keine Zeit vergangen. Der Industrielle setzte sich an seinen Platz, ein selbstgefälliges Lächeln auf den Lippen.
Linda trat wieder in die Mitte der Bühne. „Ich bin bereit für meine nächste Prüfung“, sagte sie. Ihr Blick wanderte zu Professor Lirpa. „Herr Professor. Würden Sie mir die Ehre erweisen?“
Lirpas Gesicht verriet keine Emotion, aber ein kaum wahrnehmbares Nicken bestätigte ihre Wahl. Er erhob sich.
Sie führte ihn nicht in eine Gästesuite. Sie wusste, dass das falsch wäre. Sie führte ihn dorthin, wo seine Macht am absolutesten war: in sein Büro.
Der Raum war dunkel, nur eine kleine Schreibtischlampe brannte. Der Geruch von altem Leder und poliertem Holz hing in der Luft. Dies war das Herz des Instituts, der Ort, an dem ihr Wille gebrochen und ihr neues Ich geschmiedet worden war.
Sie schloss leise die Tür. Lirpa setzte sich in seinen großen Ledersessel hinter dem Schreibtisch. Er sagte nichts. Er beobachtete sie nur.
Linda wusste, dass dies eine andere Art von Prüfung war. Es ging nicht um körperliche Dienstleistung. Es ging um das Verständnis seiner Philosophie. Sie musste beweisen, dass sie nicht nur ein Opfer war, das Befehle befolgte, sondern eine Komplizin, die seine Wünsche verstand und antizipierte.
„Professor“, begann sie, ihre Stimme war ein leises, fast verschwörerisches Flüstern. „Ich weiß, dass es Ihnen Freude bereitet, ein Mädchen zu bestrafen. Besonders ein nacktes Mädchen.“
Lirpas Augen verengten sich kaum merklich. Das war ein riskantes Spiel.
„Ich habe mir erlaubt, mich auf diese Stunde sorgfältig vorzubereiten“, fuhr sie fort. „Ich habe mir ein Spiel überlegt. Ein Spiel, das Ihnen, so hoffe ich, Vergnügen bereiten wird.“
„Darf ich mich aus ihrem Bestrafungsschrank bedienen?“, fragte sie höflich und, als er nickte, ging zu dem Schrank in der Ecke, in dem die Instrumente aufbewahrt wurden. Sie öffnete ihn und holte nicht nur das Paddel und den Rohrstock heraus, sondern auch die einschwänzige Peitsche, den Lederriemen und die Gerte. Sie legte sie mit zeremonieller Präzision auf die Kante seines Schreibtisches. „Alina hat mir anvertraut, dass sie hier eine ganz private Strafkammer haben … stimmt das?“
Er führte ihn zu einer unscheinbaren Tür in der holzgetäfelten Wand, die sie noch nie zuvor wahrgenommen hatte. Dahinter verbarg sich ein kleiner, privater Bestrafungsraum, ausgestattet mit einem Andreaskreuz, einem Strafbock und allem anderen, was man so braucht.
Auf einem kleinen Tisch in der Mitte bereitete sie ihr Spiel vor. Am Ende lagen fünf Karten offen in einer Reihe. Jede zeigte eine Illustration, die sie selbst gezeichnet hatte: einen Rücken (mit einer Peitsche), Brüste (mit einer Gerte), eine Vulva (mit einem Lederband), einen Po (mit einem Paddel) und einen Schließmuskel (mit einem Rohrstock).
„Das sind die Ziele und die traditionellen Instrumente“, erklärte sie. Sie deutete auf einen zweiten, verdeckten Kartenstapel. „Dies sind die Modifikatoren. Sie bringen das Element des Zufalls ins Spiel.“
Sie nahm fünf Würfel aus einer kleinen Ledertasche. „Ich werde würfeln. Die Gesamtzahl der Augen bestimmt die Anzahl der Schläge, die heute Abend verteilt werden. Jedes Körperteil erhält mindestens einen Schlag. Den Rest darf ich nach meinem Ermessen verteilen. Ich bestimme auch die Reihenfolge.“
Lirpa schwieg, aber ein unheimliches, fast amüsiertes Leuchten trat in seine Augen. Sie hatte ihn verstanden.
„Bevor wie anfangen, ziehen Sie fünf Modifikatoren und legen sie unter the Körperteilkarten. Bevor Sie dann mit der Bestrafung eines Körperteils beginnen“, fuhr sie fort, „drehen wir die entsprechende verdeckte Karte um. Sie wird die Regeln für diese Runde ändern.“
Sie nahm die Würfel in die Hand. „Darf ich beginnen, Professor?“
„Bitte“, sagte er, seine Stimme war ein heiseres Flüstern.
Sie schüttelte die Würfel und ließ sie über den Tisch rollen. Eine Sechs, zwei Fünfen, eine Drei und eine Eins. Insgesamt zwanzig Augen.
„Zwanzig Schläge“, verkündete sie. „Fünf Runden. Ich werde die Schläge wie folgt verteilen: Sechs für den Po, fünf für die Brüste, vier für den Rücken, drei für die Vulva und zwei für den Schließmuskel.“
Sie blickte ihn an. „Ich denke, wir sollten mit dem Po beginnen. Es ist die traditionellste Form der Züchtigung.“
Sie ging zum Strafbock, zog sich langsam und methodisch aus und legte sich darüber. Er legte ihr dann die Manschetten an.
„Drehen Sie die Karte um, Professor“, sagte ihre gedämpfte Stimme.
Lirpa trat an den Tisch und drehte die Karte unter dem Bild des Pos um. Darauf stand in eleganter Schrift: „Alles verdoppeln.“
Ein leises, zufriedenes Lachen entwich ihm. „Sechs Schläge hast du zugewiesen. Das macht also zwölf.“ Er nahm das schwere Holzpaddel. Der erste Schlag war hart und präzise. Linda schrie auf. Die nächsten elf folgten in einem unerbittlichen Rhythmus.
Als es vorbei war, keuchte sie, aber er löste die Fesseln. Zitternd stand sie auf. „Die nächste Runde“, sagte sie. „Der Rücken.“
Sie ging zum Andreaskreuz und fixierte sich selbst. Lirpa trat an den Tisch und drehte die nächste Karte um. „Strafe vergeben.“
Ein Anflug von echter Enttäuschung huschte über sein Gesicht. „Die Regeln sind die Regeln“, sagte er und löste ihre Fesseln.
„Die Brüste“, sagte sie. Fünf Schläge hatte sie hierfür vorgesehen.
Lirpa drehte die Karte um. „Diese Strafe verdreifacht.“
Er lächelte kalt. „Du hast fünf Schläge zugewiesen, Linda. Die erste Karte lautete 'Alles verdoppeln'. Diese Regel gilt für die gesamte Dauer des Spiels, nicht nur für die erste Runde. Das macht also zehn. Und zehn mal drei…“ Er hob die Gerte. „Dreißig Schläge.“ Ihre Schreie hallten in dem kleinen Raum wider, als er dreißig präzise, brennende Hiebe auf ihre Brüste niedergehen ließ.
Sie zitterte unkontrolliert, als sie sich für die vierte Runde vorbereitete. „Die Vulva“, flüsterte sie und legte sich auf den Bock, diesmal auf den Rücken. Die Manschetten waren alle am rechten Platz, so dass er ihre Beine in eine weit gespreizte Position zwingen konnte, bis ihre Füße hinter ihrem Kopf fixiert waren. Sie war völlig offen, völlig hilflos. Drei Schläge, also mit Verdoppelung sechs.
Lirpa trat an den Tisch und drehte die Karte um. „Wahl des Ausführenden.“
Er lächelte. „Das bedeutet, ich kann das Instrument und die Anzahl frei wählen.“ Er legte den Lederriemen beiseite und nahm stattdessen die einschwänzige Peitsche. „Ich denke, zwanzig Schläge sind angemessen.“
Die Peitsche zischte durch die Luft und traf ihr wundes, entblößtes Fleisch mit unerbittlicher Präzision, jeder Hieb eine neue Welle der Agonie.
Als die zwanzig Schläge gefallen waren, hing sie keuchend in den Fesseln, unfähig, sich zu bewegen. Sie erwartete, dass er die Fesseln lösen würde, aber nichts dergleichen geschah.
„Für die letzte Runde“, sagte Lirpas Stimme aus dem Halbdunkel, „ist das Ziel?“ ‚Der Schließmuskel‘, keuchte sie. Zwei Schläge. Verdoppelt vier. Was konnte jetzt noch kommen?“
Lirpa trat an den Tisch und drehte die letzte Karte um. „Gnade des Meisters.“
„Gnade“, sagte er leise und trat an die Strafbank, an dem sie immer noch in der extremen, verlockenden Position gefesselt war. „Eine interessante theologische Frage. Was ist Gnade, Linda? Ist es die Abwesenheit von Schmerz? Oder ist es die Erfüllung des wahren Zwecks?“
Er stand direkt über ihr. Sie hörte das leise Geräusch eines sich öffnenden Reißverschlusses.
„Ich denke“, flüsterte er, „Gnade ist, wenn ein Meister sein Eigentum so benutzt, wie es ihm gefällt.“
Der Rohrstock traf ihren Schließmuskel. Einmal. Zweimal. Dreimal. „Das vierte Mal erlasse ich dir … dafür …“
Er befreite seine Erektion und drang ohne weitere Vorwarnung in ihren Anus ein. Es war kein sanfter Akt. Es war eine brutale, besitzergreifende Invasion, die durch ihre extreme Position noch verstärkt wurde. Ihre Schreie der Überraschung und des Schmerzes vermischten sich mit den Nachwehen der Rohrstockhiebe.
Sie brach auf dem Boden zusammen, ein zitterndes, geschundenes Bündel. Sie sorgte sich, ob sie in diesem Zustand noch für den Milliardär, ihren eigentlichen Meister, präsentabel war. Aber als sie aufblickte, sah sie den Ausdruck in Lirpas Augen. Es war nicht die kalte Zufriedenheit eines Pädagogen. Es war die rohe, unverfälschte Gier eines Sadisten nach der Ekstase. Sie hatte ihm alles gegeben, was er je gewollt hatte.
Prüfungsteil III: Herr van der Meer
Als sie das Amphitheater zum dritten Mal betrat, fühlte sich Linda leer an. Ausgelaugt. Aber sie wusste, dass die schwerste Prüfung noch bevorstand.
Lirpa setzte sich. Der Industrielle sah sie mit einem neuen, fast respektvollen Blick an.
Linda trat in die Mitte der Bühne und wandte sich an den letzten Prüfer. „Herr van der Meer. Ich bin bereit.“
Der Milliardär erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung. Er war anders als die anderen. In seinen Augen lag weder die rohe Gier des Industriellen noch der kalte, pädagogische Eifer von Lirpa. In seinen Augen lag die gelangweilte Allwissenheit eines Mannes, der alles gesehen und alles besessen hat. Ihn zu beeindrucken, war die wahre Kunst.
Sie führte ihn in die größte und luxuriöseste Suite des Gästetrakts, eine Suite, die sie noch nie zuvor betreten hatte. Sie war in minimalistischem Weiß und Schwarz gehalten, geschmückt mit unbezahlbarer moderner Kunst. Sie wußte: Er hatte sie bezahlt.
Van der Meer setzte sich nicht. Er ging zum großen Panoramafenster und blickte hinaus in die Nacht.
„Alina sagt, du seist gelehrig“, sagte er, ohne sich umzudrehen. „Zeig es mir. Überrasche mich.“
Das war der ultimative Test. Er gab ihr keinen Befehl. Er gab ihr keine Anleitung. Er erwartete von ihr, dass sie ihn verstand, dass sie seine unausgesprochenen Wünsche erfüllte.
Linda atmete tief durch. Sie erinnerte sich an alles, was Alina ihr beigebracht hatte. Sie ging zur Musikanlage und wählte eine leise, klassische Musik aus. Sie dimmte das Licht. Sie bereitete ihm nicht einen Whisky zu, sondern einen seltenen Tee, dessen Zubereitung eine Kunst für sich war. Sie tat all dies in vollkommener Stille, ihre Bewegungen waren ein fließendes Ballett.
Sie brachte ihm den Tee. Er nahm ihn entgegen und musterte sie zum ersten Mal direkt. „Nicht schlecht“, sagte er. „Du verstehst die Atmosphäre.“
Sie kniete nicht nieder. Sie wusste, dass er das als zu offensichtlich, zu plump empfinden würde. Stattdessen setzte sie sich auf einen niedrigen Hocker in seiner Nähe, den Blick gesenkt, aber nicht unterwürfig. Eine Haltung der respektvollen Präsenz.
Sie begannen zu reden. Er fragte sie nach den Büchern, die sie im Unterricht gelesen hatten. Nach Voltaire, nach Kafka, nach Shakespeare. Aber er fragte nicht nach dem Inhalt. Er fragte nach ihrer Meinung. Es war eine Falle. Sie wusste, dass ihre eigene Meinung irrelevant war. Also gab sie ihm nicht ihre Meinung. Sie gab ihm eine brillante Analyse dessen, was seine Meinung wahrscheinlich sein würde, basierend auf seinem Charakter, seiner Position, der Kunst in seinem Zimmer. Sie spiegelte ihn, aber sie tat es so intelligent und subtil, dass es wie ein echtes Gespräch wirkte. Dabei dachte sie für sich: „Wie gut, dass er mich nicht über Integralrechnung ausfragt …!“
Er war beeindruckt. Sie konnte es in seinen Augen sehen.
Die sexuelle Begegnung war ein Meisterstück der Verführung und Unterwerfung. Sie initiierte sie, aber auf eine Weise, die es so erscheinen ließ, als wäre es seine Idee gewesen. Sie war nicht das Opfer, das Befehle ausführte. Sie war die Priesterin, die ein heiliges Ritual vollzog, in dem er der Gott war. Sie benutzte die Instrumente, die Alina ihr gezeigt hatte – die Federn, die Seide, die Klammern –, aber nicht als Werkzeuge der Bestrafung, sondern als Instrumente der Lust. Sie führte ihn durch eine Choreographie aus Schmerz und Vergnügen, die so perfekt ausbalanciert war, dass die Grenzen zwischen beidem verschwammen. Der vaginale Verkehr war kein Akt der Dominanz, sondern ein Akt der totalen Hingabe, bei dem sie die Führung übernahm, um ihm zu dienen. Sie gab ihm nicht nur ihren Körper. Sie gab ihm die Illusion, dass sie ihm ihre Seele gab. Sie spielte die Rolle der perfekten Gefährtin, der intelligenten Konkubine, der willigen Sklavin, alles in einer Person.
Als es vorbei war, lag er still im Bett, ein Ausdruck von seltener, echter Zufriedenheit auf seinem Gesicht.
Sie stand auf, bereitete ihm ein Bad, half ihm hinein, wusch ihn. Sie tat es mit der gleichen stillen, anmutigen Effizienz wie zuvor.
Als er wieder angezogen war und bereit zu gehen, hielt er sie am Arm fest. Er blickte ihr tief in die Augen. „Wie ist dein Name?“, fragte er.
„Linda, mein Herr“, antwortete sie.
„Nein“, sagte er. „Das war dein alter Name. Von nun an ist dein Name… Echo.“
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