Beratungsgespräch - Eine Fortsetzung der Internatsgeschichte von orsgeschichten - Chapter 17 | Fet Library

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Birke Becker presents

Beratungsgespräch - Eine Fortsetzung der Internatsgeschichte von orsgeschichten

4.6 (9)

Extreme
Heavy
Light

Chapter 17 of 34

Das Urteil

Sie kehrten als letzte in das Amphitheater zurück. Die Kerzen waren fast heruntergebrannt. Lirpa und der Industrielle warteten.

Linda kniete in der Mitte der Bühne, nackt, leer, aber mit einer neuen, schrecklichen Ruhe. Sie hatte alles getan, was sie konnte.

Herr van der Meer setzte sich. Er blickte zu den beiden anderen. „Ihre Noten?“

Der Industrielle grunzte. „Perfektion“, sagte er ohne zu zögern. „Das Mädchen ist ein erstklassiges Tier.“

Lirpa nickte langsam. „Ihre Transformation ist vollständig. Ihre Anwendung der Theorie ist makellos. Perfektion.“

Beide blickten nun zu van der Meer. Er war der entscheidende Richter.

Er betrachtete Linda, die auf dem Boden kniete. „Es gab Momente der Brillanz“, sagte er langsam. „Deine Intelligenz ist unbestreitbar. Deine Technik ist exquisit.“ Er machte eine lange Pause. „Aber Perfektion ist ein absoluter Zustand. Und es gab einen Fehler.“

Ein eisiger Schock durchfuhr Linda. Ein Fehler? Wo? Alina, die im Schatten stand, spannte sich sichtlich an.

„Als du mir den Tee serviert hast“, fuhr van der Meer fort, „hast du die Tasse mit der rechten Hand gereicht. Ich bin Linkshänder. Eine wahre Künstlerin hätte das bemerkt. Es ist ein kleiner Fehler. Aber es ist ein Fehler. Und ein einziger Fehler bedeutet… Versagen.“

Das Wort fiel wie ein Beil in die Stille. Versagen. Linda sackte in sich zusammen, als hätte man ihr die Knochen aus dem Leib gezogen. All die Mühe, all der Schmerz, all die Demütigung – umsonst. Wegen einer Teetasse.

Alina trat einen Schritt aus dem Schatten. „Herr van der Meer“, begann sie, ihre Stimme zitterte kaum merklich. „Es war mein Versäumnis. Ich habe es versäumt, sie über Ihre Präferenzen zu unterrichten. Die Schuld liegt bei mir.“

„In der Tat, Alina“, sagte van der Meer, ohne sie anzusehen. „Das tut sie. Das Versagen der Schülerin ist immer auch das Versagen der Lehrerin.“ Er stand auf. „Dennoch ist meine Entscheidung gefallen. Die Prüfung wurde nicht bestanden.“

Er blickte von der am Boden zerstörten Linda zu der kreidebleichen Alina. „Es wäre eine Verschwendung von Ressourcen, solch vielversprechendes, wenn auch fehlerhaftes Material einfach zu verwerfen. Aber ein Vertrag ist ein Vertrag. Nur eine von euch kann heute Abend mit mir gehen. Nur die Beste.“

Ein grausames Lächeln umspielte seine Lippen. „Wir werden also einen Wettkampf veranstalten. Eine letzte Prüfung. Eine Gelegenheit für euch beide, eure Hingabe unter Beweis zu stellen und die Fehler der anderen auszubügeln.“

Er wandte sich an Lirpa. „Professor, wie Sie wissen, war ich so beeindruckt von der Effizienz Ihrer Strafsuite, dass ich mir erlaubt habe, vor zwei Monaten eine Spende von drei Millionen Dollar für deren Modernisierung zu tätigen. Ich glaube, die Installationen sind seit gestern abgeschlossen. Die Einrichtung trägt nun, mit Ihrer freundlichen Genehmigung, den Namen ‚Van der Meer Strafsuite‘.“

Lirpa verbeugte sich leicht. „Ihre Großzügigkeit ist unübertroffen, mein Herr.“

„Gut“, sagte van der Meer. „Dann möchte ich eine Demonstration. Ich möchte sehen, welche Verbesserungen mit meinem Geld installiert wurden. Und ich kann mir keine besseren Subjekte für diese Erstdemonstration vorstellen als die Lehrerin und ihre Schülerin, die gemeinsam versagt haben.“

Sein Blick wanderte zwischen den beiden zitternden Frauen hin und her. „Es wird ein Wettkampf sein. Ihr werdet beide gleichzeitig an die neuen Maschinen angeschlossen. Die KI wird ein identisches Strafprogramm für euch beide durchführen. Die neuen Neuro-Response-Sensoren werden jede eurer Reaktionen messen – jeden Schrei, jedes Zucken, jede Veränderung eures Herzschlags. Das Mädchen, das die stärkeren Reaktionen zeigt, das weniger Kontrolle über seinen Körper hat, verliert. Die Verliererin bleibt hier. Sie wird ihren Abschluss nachholen müssen, allerdings unter besonderen Bedingungen: in einem Zustand permanenter Nacktheit, mit wöchentlichen, öffentlichen Korrektursitzungen in der Strafsuite. Die Gewinnerin, diejenige, die den Schmerz mit der größten Anmut und Stille erträgt, hat ihre Perfektion bewiesen. Sie wird mit mir gehen.“

Grauen. Es war kein gemeinsames Schicksal mehr. Es war ein Kampf auf Leben und Tod.


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