Novella
Birke Becker presents
4.6 (9)
Chapter 22 of 34
Professor Lirpa saß in der Stille seines Büros und blickte auf den leuchtenden Bildschirm seines Computers. Darauf stand die abgefangene E-Mail einer Schülerin aus der siebten Klasse, Elsbeth „Elsie“ Schmidt. Sie war an ihren Budestagsabgeordneten gerichtet. Die E-Mail war naiv, aber ihr Inhalt war pures Gift. Sie schrieb von „ungerechten Strafen“, von „Angst“, von „schrecklichen Dingen“. Sie erwähnte nackte Schülerinnen im Unterricht, die Bestrafung ihrer Freundin durch die Maschine. Sie bat um Hilfe.
Ein dünnes, kaltes Lächeln umspielte Lirpas Lippen. Er bewunderte fast ihren Mut, ihre Dummheit. Sie hatte das ultimative Verbrechen begangen: Sie hatte versucht, die Außenwelt zu kontaktieren. Sie hatte versucht, das heilige Schweigen des Instituts zu brechen.
Er löschte die E-Mail von den Servern der Schule. Dann drückte er den Summer auf seinem Schreibtisch. „Schicken Sie mir den Oberpräfekten. Unverzüglich.“
Wenige Minuten später klopfte es. Alexander trat ein, seine Haltung war wie immer tadellos. „Herr Professor?“
„Alexander“, sagte Lirpa und blickte von seinem Bildschirm auf. „Es gibt eine… private Disziplinarangelegenheit, die meine sofortige Aufmerksamkeit erfordert. Holen Sie die Schülerin Elsbeth Schmidt aus der siebten Klasse. Bringen Sie sie direkt hierher. Sorgen Sie dafür, dass niemand Sie sieht. Es ist eine Angelegenheit von höchster Sensibilität.“
„Ja, Herr Professor“, sagte Alexander ohne zu zögern. Er war das perfekte Instrument, loyal und effizient. Er stellte keine Fragen.
Zehn Minuten später klopfte es erneut an der Bürotür. Alexander führte die kleine, zitternde Elsie herein.
„Danke, Alexander“, sagte Lirpa. „Das wäre alles. Kommen Sie in genau einer Stunde wieder, um sie in ihr Zimmer zurückzubegleiten. Sie können gehen.“
Alexander warf einen kurzen, neugierigen Blick auf das verängstigte Mädchen, salutierte dann fast unmerklich und schloss leise die Tür hinter sich.
„Nun, Elsie“, sagte Lirpa mit einer fast väterlichen Sanftheit, die weitaus bedrohlicher war als jeder Schrei. „Komm herein. Schließ die Tür.“ Er deutete auf die unscheinbare Tür in der holzgetäfelten Wand. „Wir gehen in den Besprechungsraum. Es ist eine… private Angelegenheit.“
Sie folgte ihm in einen kleinen, fensterlosen Raum, in dessen Mitte nur ein gepolsterter Strafbock stand.
„Ich habe deine E-Mail gelesen, Elsie“, sagte er beiläufig, während er die Tür hinter ihnen schloss. „Deine Nachricht an den Abgeordneten.“
Elsie wurde leichenblass. „Ich… ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.“
„Oh, doch, das tust du“, sagte Lirpa sanft. „Du hast dir Sorgen gemacht. Aber du hast einen Fehler gemacht, Elsie. Du hast dich an die falsche Instanz gewandt. Ich bin die Instanz, an die dich gewandt haben solltest. Das erfordert eine… besondere Lektion.“
Er ging zu der Wand mit den Instrumenten und wählte einen schweren, polierten Rohrstock aus. „Du kennst die Regeln, Elsie. Verrat an der Gemeinschaft ist das schwerste Vergehen. Es erfordert eine exemplarische Strafe. Du wirst dich nun vorbereiten. Zieh dich aus und lege dich über den Bock.“
Elsie schluchzte, aber sie wusste, dass Widerstand zwecklos war. Zitternd zog sie ihre Uniform aus, bis sie nackt war. Sie legte sich über den Bock. Er schloss die ledernen Riemen um ihre Handgelenke und Knöchel.
Lirpa trat hinter sie. Der erste Schlag war hart und präzise. Elsie schrie auf. Der zweite folgte sofort. Der dritte. Er arbeitete mit einer kalten, unpersönlichen Effizienz. Nach dem zwanzigsten Schlag hörte er auf. Sie hing keuchend in den Fesseln und erwartete, dass er sie lösen würde. Aber er tat es nicht. Stattdessen hörte sie, wie er den Rohrstock zurücklegte und das schwere Holzpaddel von der Wand nahm.
„Das war die Strafe für deinen Verrat, Elsie“, sagte Lirpas Stimme, nun ohne jede Wärme. „Und das hier…“
KLATSCH!
Der Aufprall des Paddels war ein dumpfer, knochenbrechender Schock.
„…das ist, weil ich es kann“, beendete er den Satz.
Er schlug weiter zu, mit einer wachsenden, rasenden Wut. Es ging nicht mehr um eine Lektion. Es war reine, unverfälschte Grausamkeit. Er schlug auf ihren Hintern, bis die Haut aufplatzte. Er schlug auf ihre Oberschenkel, auf ihren Rücken. Sie verlor das Bewusstsein, wurde vom Schmerz wieder in die Realität gerissen, verlor es wieder.
Er löste ihre Fesseln, drehte ihren schlaffen, zitternden Körper um und zwang sie auf den Rücken, fixierte sie erneut. Er nahm einen dünnen, flexiblen Rohrstock von der Wand und begann, ihre kleinen, unentwickelten Brüste zu züchtigen.
Als auch das ihm nicht mehr reichte, ging er zu der schwarzen Ledertasche, die er mitgebracht hatte. Er holte zwei lange, dünne Stäbe aus poliertem Stahl hervor, an deren Enden kleine, mit Nadeln bespickte Kugeln befestigt waren. Er führte einen der Stäbe in ihre Vagina ein, den anderen in ihren Anus. Sie schrie, ein langer, gurgelnder Schrei, als die Nadeln ihre innersten Schleimhäute zerrissen.
„Siehst du“, sagte Lirpa, während er die Stäbe langsam drehte. „Es gibt immer eine tiefere Ebene des Schmerzes.“
Ihr letzter bewusster Gedanke war eine verwirrte Frage: Warum hörte er nicht auf? Dann spürte sie ein Kribbeln, dass immer stärker wurde. Strom floss in ihr Innerstes. Wurde immer stärker. Sie konvulsierte. Endlich hing sie schlaff und leblos in den Fesseln. Lirpa entfernte die elektrischen Stäbe und schob den Trafo in das Nebenzimmer.
Pünktlich nach einer Stunde klopfte es an der Tür zum Büro. Alexander. Lirpa, der sich inzwischen frisch gemacht und seine Fassung wiedererlangt hatte, öffnete die Tür zum Korrekturraum.
„Ah, Alexander. Pünktlich. Komm herein.“
Alexander trat ein und erstarrte. Der Anblick, der sich ihm bot, war ein Albtraum. Elsie hing immer noch auf dem Bock, aber ihr Körper war eine einzige, blutige Wunde. Ihre Augen waren offen, starr und leer.
„Es gab einen… tragischen Zwischenfall“, sagte Lirpa mit gespieltem Bedauern. „Das Mädchen hatte ein schwaches Herz. Die notwendige, aber milde Korrektur war zu viel für sie. Ein bedauerlicher, aber unvorhersehbarer medizinischer Notfall.“
Alexander starrte auf den blutigen Rohrstock und das Paddel, die auf dem Boden lagen. Er starrte auf die Stäbe mit den Nadeln. Das war keine milde Korrektur gewesen. Das war ein Gemetzel.
„Wir haben ein Problem, Alexander“, fuhr Lirpa fort und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ein Anruf bei den Behörden würde… unangenehme Fragen aufwerfen. Missverständnisse erzeugen. Den Ruf des Instituts beschädigen. Es wäre besser für alle, wenn diese Angelegenheit diskret behandelt wird. Als mein loyalster und vertrauenswürdigster Präfekt bitte ich dich um deine Hilfe. Wir müssen sie verschwinden lassen.“
Alexander blickte von der leblosen Elsie zu dem ruhigen, lächelnden Gesicht des Professors. In diesem Moment zerbrach sein Glaube an das System. Er sah nicht mehr den weisen Pädagogen. Er sah ein Monster. Und er verstand, dass er in eine Falle getappt war. Eine Weigerung würde ihn selbst zum Feind des Systems machen. Er war ein Komplize.
„Ja, Herr Professor“, sagte er mit tonloser Stimme.
Sie wickelten den kleinen, leblosen Körper in eine schwere Decke. Mitten in der Nacht trugen sie sie durch einen geheimen Gang in die tiefsten Keller des Instituts, zum Heizungsraum. Dort, vor dem gierigen, offenen Schlund des riesigen Verbrennungsofens, half Alexander dem Professor, die letzte Spur von Elsie Schmidt aus der Welt zu tilgen.
Als sie fertig waren, klopfte Lirpa ihm anerkennend auf die Schulter. „Ich wusste, ich kann mich auf dich verlassen, Alexander. Du bist ein wahrer Sohn des Instituts.“
Aber als Lirpa in die Augen des Jungen blickte, sah er nicht mehr die blinde Loyalität eines Soldaten. Er sah etwas Neues. Etwas Kaltes. Er sah das Gesicht eines Mannes, der seine Seele verloren hatte und wusste, wer sie ihm gestohlen hatte. Lirpa lächelte. Alexander war nun noch nützlicher. Aber er war auch gefährlicher. Die Wolken über dem Oberpräfekten begannen sich zusammenzuziehen.
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