Beratungsgespräch - Eine Fortsetzung der Internatsgeschichte von orsgeschichten - Chapter 25 | Fet Library

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Birke Becker presents

Beratungsgespräch - Eine Fortsetzung der Internatsgeschichte von orsgeschichten

4.6 (9)

Extreme
Heavy
Light

Chapter 25 of 34

Kompromat

Die Tage nach Elsies Tod waren für Alexander eine stille Hölle. Er hatte Angst. Er war nun ein Mitwisser. Aber er war auch in Mittäter. Auch wenn es möglich wäre, sich aus den Internatsmauern heraus an die Polizei zu wenden, wäre er ja auch dran. Die Atmosphäre zwischen Lirpa und ihm war von einem eisigen, unausgesprochenen Krieg geprägt. Alexander hatte gesehen, wozu dieser Mann fähig war. Die Angst, die er seit der Nacht mit Elsies Leiche im Heizungskeller in sich trug, war zu einem ständigen, kalten Begleiter geworden. Er war bemüht, in allem gehorsam zu sein, jeden Befehl mit übertriebener Präzision auszuführen, in der verzweifelten Hoffnung, Lirpas Vertrauen zurückzugewinnen und dem Schicksal zu entgehen, das er für Elsie mit besiegelt hatte.

Die Gelegenheit, seine Loyalität unter Beweis zu stellen, kam eine Woche später. Lirpa rief Alexander in sein Büro. Sein Gesicht war eine Maske besorgter Professionalität.

„Alexander, wir haben ein ernstes Problem“, sagte er und deutete auf den dunklen Bildschirm der Kontrollkonsole für die Strafsuite. „Es scheint, wir haben einen Virus im System. Einen sehr hartnäckigen. Die Diagnostik läuft, aber bis das Problem behoben ist, ist die Van der Meer Suite außer Betrieb. Völlig unzuverlässig.“

Lirpa beobachtete ihn genau. Alexander sagte nichts. Er schluckte die Lüge ohne zu zögern und nickte nur verständnisvoll. Perfekt, dachte Lirpa. Er ist immer noch der gehorsame Soldat. Er ahnt nicht, dass die Maschine einwandfrei funktioniert. Er ahnt nicht, dass die einzige Störung, die behoben werden muss, er selbst ist.

„Die Disziplin darf darunter natürlich nicht leiden“, fuhr Lirpa fort. „Wir müssen vorübergehend zu den traditionellen Methoden zurückkehren. Manuelle Korrekturen. Das erfordert absolute Kontrolle und Vertrauenswürdigkeit. Deshalb habe ich dich ausgewählt.“

Er lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Du wirst für die Dauer dieser technischen Krise den Disziplinartrakt im Amphitheater leiten. Alle Korrekturen werden dort unter deiner Aufsicht und von deiner Hand ausgeführt. Ich erwarte von dir, dass du die Ordnung mit der nötigen Strenge aufrechterhältst. Betrachte es als eine Chance, deine unerschütterliche Loyalität zum System erneut unter Beweis zu stellen.“

Es war ein Test, und Alexander wusste es. Er musste ihn bestehen. „Ja, Herr Professor“, sagte er, seine Stimme war fest und gehorsam.

„Gut“, sagte Lirpa. „Ich habe bereits eine Direktive an das Lehrerkollegium herausgegeben. Angesichts der angespannten Lage erwarte ich, dass jedes, und ich meine jedes, noch so kleine Vergehen mit der gebotenen Härte geahndet wird. Die Standardstrafe für die meisten Vergehen der Stufen eins bis drei wird bis auf Weiteres die öffentliche Zurschaustellung in Nacktheit sein, gefolgt von einer angemessenen körperlichen Korrektur durch dich. Wir müssen ein klares Zeichen setzen.“

Er lächelte, ein dünnes, kaltes Lächeln. Und um sicherzustellen, dass du dich nicht wieder deiner Pflicht entziehst, Alexander, dachte er bei sich, wird jede deiner Sitzungen selbstverständlich aufgezeichnet. Die Kameras im Amphitheater sind direkt mit meinem Büro verbunden. Jeder Schlag, jeder Schrei, jeder Moment deines Gehorsams wird dokumentiert. Du wirst dir dein eigenes Gefängnis bauen, und ich werde jeden Stein besitzen.

Um Punkt zwanzig Uhr stand Alexander in der Mitte der leeren, kalten Bühne des Amphitheaters. Die Ränge waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Die gesamte Schülerschaft saß in unheimlicher Stille da, ihre Gesichter waren im gedämpften Licht kaum zu erkennen. Die Instrumente hingen an der Wand hinter ihm, stumme Zeugen seiner bevorstehenden Schandtat.

Sein erster Fall ließ nicht lange auf sich warten. Zwei Präfekten führten Anna aus der neunten Klasse auf die Bühne. Ihr Vergehen: Sie hatte während des Geschichtsunterrichts mit ihrer Nachbarin geflüstert. Sie war bereits nackt; die Demütigung des Entkleidens vor der gesamten Klasse hatte sie schon hinter sich. Sie zitterte am ganzen Körper.

„Oberpräfekt“, sagte einer der Präfekten. „Subjekt Anna. Vergehen: Störung des Unterrichts. Anweisung von Dr. Weber: Nacktheit für den Rest des Tages und angemessene Korrektur.“

Alexander blickte auf das weinende Mädchen. Er sah die Angst in ihren Augen und spürte einen Anflug von Übelkeit. Er dachte an Linda, an Alina. Er wusste, dass Lirpa zusah.

„An das Kreuz“, sagte er, seine Stimme klang fremd und hohl in seinen eigenen Ohren.

Die Präfekten führten sie zu einem schlichten Andreaskreuz aus dunklem Holz. Ihre Hand- und Fußgelenke wurden an den vier Enden fixiert, ihr Körper war völlig entblößt und verletzlich.

Lirpas neue Direktive war klar gewesen: Die Strafen sollten sich auf die empfindlichsten Bereiche konzentrieren, um die maximale psychologische Wirkung zu erzielen. Alexander ging zur Wand und nahm die dünne, flexible Gerte.

„Die Strafe für dein Vergehen sind zehn Hiebe auf die Brüste“, sagte er, und die Worte schmeckten wie Asche in seinem Mund.

Er trat vor sie. Annas leises Wimmern war das einzige Geräusch im Raum. Er holte aus. Der erste Schlag war zögerlich, fast sanft. Aber er wusste, dass Lirpa zusah. Er wusste, dass Zögern als Schwäche ausgelegt werden würde.

Er schlug erneut zu, diesmal härter. Annas Wimmern wurde zu einem schrillen Schrei. Er schloss seine Augen und schlug weiter zu, mechanisch, unbarmherzig, bis die zehn Hiebe vollstreckt waren. Er löste ihre Fesseln, ohne sie anzusehen. „Geh“, sagte er nur.

Die nächste war Klara aus der sechsten Klasse. Ihr Vergehen: Sie hatte im Französischunterricht aus dem Fenster gestarrt. Auch sie kam nackt. Sie war ein kleines, unterentwickeltes Kind, das auf der großen Bühne noch verlorener wirkte.

Diesmal wählte Alexander den Lederriemen. „Auf den Rücken“, befahl er. Klara wurde auf eine niedrige, gepolsterte Bank gelegt, ihre Beine wurden von den Präfekten gespreizt und fixiert.

„Zehn Hiebe auf die Vulva“, sagte er tonlos.

Er war nun effizienter. Seine Bewegungen waren präziser. Er hatte gelernt, das Mitleid zu unterdrücken, es in eine kalte, leere Ecke seines Geistes zu verbannen. Er schlug zu, hörte ihre dünnen, kindlichen Schreie, zählte die Hiebe und löste die Fesseln. Er war zu einer Maschine geworden, genau wie die, die er vorübergehend ersetzte.

Um zu beweisen, dass das Gesetz für alle galt, wurde ihm als Nächstes ein Junge geschickt. Jonas aus der zwölften Klasse. Sein Vergehen: Er war zwei Minuten zu spät zum Sportunterricht gekommen. Er kam nackt, seine Hände versuchten vergeblich, seine Scham zu bedecken.

Die Demütigung war eine andere, aber nicht geringer. Als er auf die Bühne geführt wurde, versuchte er, seine Scham mit den Händen zu bedecken, aber die Präfekten rissen seine Arme grob zur Seite. Er wurde in der gleichen Position wie Klara fixiert, auf dem Rücken liegend, die Beine gespreizt. Die Kombination aus Angst, der kalten Luft auf seiner Haut und der totalen, öffentlichen Entblößung führte zu einer verräterischen, unwillkürlichen Reaktion seines Körpers. Er bekam eine Erektion. Ein leises, unterdrücktes Kichern ging durch die Reihen der jüngeren Schülerinnen im Publikum, das schnell von den älteren zum Schweigen gebracht wurde, aber der Schaden war angerichtet. Jonas' Gesicht verfärbte sich tiefrot vor Scham.

„Zehn Schläge mit dem Rohrstock auf die Hoden“, sagte Alexander.

Jonas schrie, ein hoher, unmännischer Laut, als der erste, vorsichtige Hieb ihn traf. Alexander führte die Strafe mit einer eisernen, fast wütenden Präzision aus. Er hasste Jonas nicht. Er hasste sich selbst. Er hasste Lirpa. Und jeder Schlag war ein Ausdruck dieses Hasses.

Die letzte des Tages war Jessica aus der zwölften Klasse. Sie war eine der wenigen, die immer noch einen Funken von offenem Trotz in den Augen hatte. Ihr Vergehen: Sie hatte Frau Keller im Matheunterricht widersprochen.

Sie kam nackt auf die Bühne, aber sie versuchte nicht, sich zu verstecken. Ihr Blick war fest auf Alexander gerichtet, eine stumme Herausforderung.

Alexander wusste, dass dies der letzte Test war. Lirpa wollte sehen, ob er auch den letzten Funken Widerstand brechen konnte.

„Die Strafe für offene Insubordination ist… umfassend“, sagte er. Er nahm die neunschwänzige Katze von der Wand. „Fünfzig Hiebe. Auf den gesamten Körper.“

Alexander gab den Präfekten ein Zeichen. Anstatt sie zum Andreaskreuz zu führen, befestigten sie lederne Manschetten an ihren Fußgelenken, die mit kurzen Ketten an Eisenringen im Bühnenboden verankert waren. Dann wurden zwei weitere Manschetten an ihren Handgelenken befestigt. Seile, die von der Decke herabhingen, wurden eingehakt. Langsam, mit dem Quietschen alter Rollen, wurden ihre Arme nach oben und auseinander gezogen, bis ihre Füße kaum noch den Boden berührten und sie auf den Zehenspitzen stand. Ihr Körper war ein gespannter, völlig entblößter Bogen, jede Faser ihres Körpers war dem Blick des Publikums und der Peitsche des Henkers ausgesetzt. Er begann mit ihrem Rücken, die neun Riemen hinterließen ein Gitter aus blutigen Striemen. Sie biss die Zähne zusammen, aber sie schrie nicht. Er schlug auf ihre Beine, ihre Arme. Sie blieb stumm.

Frustriert und von einer kalten Wut ergriffen, die er nicht verstand, ging er um das Kreuz herum. Er schlug auf ihren Bauch, ihre Brüste. Sie keuchte, aber sie schrie nicht.

Er war außer sich. Er hatte versagt. Lirpa würde ihn zerstören. In einem letzten, verzweifelten Akt der Grausamkeit ließ er die Peitsche fallen und griff nach dem elektrischen Stimulationsgerät, das in einer Ecke stand. Er befestigte die Klemmen an ihren Brustwarzen und drehte den Regler auf die höchste Stufe.

Ihr Schrei, als der Strom sie traf, war der Klang von brechendem Glas, von etwas, das endgültig und unwiderruflich zerstört wurde.

Als es vorbei war, hing sie schlaff in den Fesseln. Alexander stand keuchend über ihr. Er hatte gewonnen. Er hatte den Trotz gebrochen.

Er blickte auf zu der kleinen, schwarzen Linse der Kamera, die hoch oben an der Decke montiert war. Er wusste, dass Lirpa alles gesehen hatte. Er hatte ihm gegeben, was er wollte. Er hatte sich selbst in ein Monster verwandelt, gefilmt für die Ewigkeit. Er war nun endgültig ein Gefangener. Nicht nur dieses Instituts, sondern seiner eigenen Taten.


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