Beratungsgespräch - Eine Fortsetzung der Internatsgeschichte von orsgeschichten - Chapter 26 | Fet Library

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Birke Becker presents

Beratungsgespräch - Eine Fortsetzung der Internatsgeschichte von orsgeschichten

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Chapter 26 of 34

Ein Schuss ins Dunkle

Die Wochen verwandelten sich in einen Monat, und ein Monat wurde zu einer grauen, endlosen Ewigkeit. Für die Außenwelt war Elsbeth Schmidt nur eine weitere Zahl in der Vermisstenstatistik, ein Fall, der langsam in den kalten Akten der Bürokratie versank. Aber im Inneren des Instituts und in dem kargen Büro einer suspendierten Kommissärin war ihr Geist präsenter als je zuvor. In ihrer kleinen, vollgestopften Wohnung saß Kommissärin Eva Rost vor einem Whiteboard, das mit Fotos, Namen und Verbindungslinien übersät war. In der Mitte das Logo des Lirpa-Instituts. Darum herum die Gesichter: Professor Lirpa. Der Industrielle. Der Richter. Und der Minister. Sie hatte ihre Akten studiert, ihre Karrieren, ihre Verbindungen. Sie alle waren unangreifbar, geschützt durch ein Netz aus Macht und Geld.

Der Fall Elsie Schmidt war offiziell geschlossen. Aber für Eva war er das nicht. Er war zu einer Besessenheit geworden. Sie wusste, dass sie auf offiziellem Wege nichts erreichen würde. Der Minister für Justiz hatte persönlich dafür gesorgt. Also musste sie die Regeln brechen.

Sie verbrachte eine ganze Nacht damit, alles aufzuschreiben, was sie wusste. Ihre Beobachtungen im Institut. Alexanders nervöses Verhalten. Das nackte, gebrochene Mädchen im Korridor. Lindas kryptische Warnung. Die finanziellen Verbindungen. Es war nicht genug für eine Anklage. Aber es war genug, um einen Flächenbrand auszulösen.

Sie druckte alles aus, fügte Kopien der Finanztransaktionen und eine anonymisierte Abschrift ihres Gesprächs mit Linda hinzu. Sie steckte alles in einen großen, braunen A4-Umschlag. Adressiert war er an eine Frau, die sie seit Jahren aus der Ferne bewunderte: Johanna Kaiser, die furchtloseste Investigativjournalistin beim „Spiegel“.

Am nächsten Morgen, verkleidet mit Sonnenbrille und Kopftuch, warf sie den Umschlag in einen anonymen Briefkasten am anderen Ende der Stadt. Es war ein Schuss ins Dunkle. Aber es war ihre letzte Patrone.


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