Novella
Chapter 3 of 5
Der Raum war still geworden, auf eine dichte, lauernde Weise. Alle wussten, was folgen würde – und doch wagte kaum jemand, sich zu regen. Die Kameras waren stumm, auf Anweisung des Notars. Kein Livestream, kein Mitschnitt. Was nun geschah, war exklusiv für die Augen der geladenen Gesellschaft bestimmt.
Rebecca stand auf dem Podest, ihre Schultern hochgezogen, das Kinn gesenkt, wie ein Mensch, der noch in sich eine letzte Verteidigung zu bewahren sucht. Doch die Uhr hatte für sie zu ticken aufgehört. Ihre Schultern zitterten leicht. Als sich der Ordner zu ihr vorbeugte, flüsterte er ihr etwas zu – vielleicht Trost, vielleicht eine Anweisung. Sie nickte kaum merklich.
Jenny hatte Platz genommen. Ihre Haltung war entspannt, beinahe aristokratisch. Die Arme locker auf der Lehne, die Beine überschlagen, das Lächeln dünn wie Messingfolie. Neben ihr saß Dr. Helwig, den Blick nach vorn gerichtet, ohne erkennbare Regung.
Zwei Helfer führten Rebecca zur Strafbank. Sie war schlicht gehalten, aus hellem Holz, mit gepolsterter Auflage und ledernen Gurten an jeder Seite. Funktional. Unmissverständlich. Kein Pranger, keine Pose – nur Zweck.
Rebecca blieb stehen, einen Atemzug lang. Ihre Mutter weinte leise im Hintergrund, aber niemand griff ein.
„Bitte ausziehen“, sagte der Helfer, in neutralem Ton.
Rebecca zögerte.
Jenny beugte sich leicht vor.
„Du weißt, du hast die Strafe verdient!“
Rebecca schloss die Augen, löste langsam die Knöpfe ihrer Jacke. Dann das Hemd. Dann die Hose. Es ging würdevoll, beinahe wie bei einem medizinischen Eingriff – kein Entblößen, eher ein Entledigen. Die schützende Unterwäsche blieb zunächst– ein letzter Rest von Würde, ein dünner weißer Stoff.
Jenny hob eine Augenbraue.
„Nein“, sagte sie.
Der Helfer zögerte, dann trat er vor. Rebecca drehte sich nicht um. Als man ihr auch den letzten Schutz nahm, erstarrte sie nur kurz – dann ließ sie es zu. Die Menge war still. Niemand lachte. Niemand applaudierte. Es war eine andere Art von Stille. Eine, die brannte.
Rebecca wurde auf den Bock gelegt, vornüber, mit gesenktem Oberkörper. Ihre Arme wurden festgeschnallt, dann die Beine. Die Gurte lagen eng, aber nicht brutal. Ihre Haut war hell, verletzlich, fast durchsichtig unter dem Scheinwerferlicht.
„330 Punkte Differenz“, murmelte der Moderator – „das ergibt 330 Hiebe.“
Die Zahl stand im Raum, klar und kalt.
Dr Dahlen erhob sich. “Ich schlage vor, und hoffe, dass Jenny das auch so sieht, dass wir die Strafe um zwei Drittel reduzieren, da sonst bleibende Schäden an Rebeccas entsprechendem Körperteil zu befürchten sind. Bevor diese 110 Schläge ausgeführt werden, wollen wir uns mit der Gewinnerin und dem Schiedsrichtergremium beraten, wie wir dann weiter verfahren um dem Testament des Erblassers zu entsprechen.”
Jenny nickte, wenn auch zögerlich und setzte sich mit Dr Dahlen und dem Moderator an den Schiedsrichtertisch. Die Diskussion wurde geflüstert geführt, Nicole konnte nichts verstehen. Rebecca, auf den Bock fixiert, drehte von Zeit zu Zeit nervös den Kopf zum Schiedsrichtertisch. Sie war in keiner guten Lage. Das Publikum saß im Halbkreis - sie wurde also sowohl von hinten als auch von den Seiten gesehen. Der Strafbock hatte vier Beine - Rebeccas Beine hingegen hatte man mit Lederriemen jeweils an einem dieser fixiert, so dass ihre Beine leicht gespreizt waren. Dem Publikum wurden da Einblicke gewährt, die Rebecca nie freiwillig gewährt hätte. Die Diskussion ging weiter … Nicole hatte Mitleid mit Rebecca. Das seitlich sitzende Publikum konnte sehen, wie Rebeccas Brüste an der anderen Seite des Bocks herabhingen.
Doch nun trat der Moderator wieder ans Mikrofon: ‘Die Entscheidung des Gremiums ist wie folgt: Um Rebeccas Strafe um 220 Schläge auf ihr Gesäß zu reduzieren, bedarf es einer alternativen Strafe. Diese wurde mehrheitlich auf 22 Peitschenhiebe reduziert. Allerdings auf Rebeccas Brüste. Dr Dahlen, ich selbst, sowie der Vorsitzende des Schiedsgerichts, Herr Prof. Derheim, wünschen, sich ausdrücklich davon zu distanzieren. Aber die Mehrheit hat entschieden.”
Nicole wurde es jetzt wirklich heiß. Sie war davon ausgegangen, dass ihr Hinterteil - und nur ihr Hinterteil - bestraft werden würde. Sie erkannte jetzt, dass diejenigen, die über ihr Schicksal zu entscheiden hatten, keine Grenzen kannten und keine Hemmungen hatten. Vor allem wohl Jenny …
Der Moderator nickte in Richtung des Scharfrichters. Dieser – ein älterer Mann mit ruhig-präzisen Bewegungen – trat nach vorne. Er trug Handschuhe. Kein Maskenspiel, kein Spektakel. Nur Pflicht. Er maß kurz den Abstand, dann hob er den Rohrstock.
Der erste Schlag fiel mit einem dumpfen, scharfen Ton.
Rebecca zuckte.
Der zweite traf tiefer.
Beim fünften entkam ihr ein Laut – kein Schrei, mehr ein Atemstoß.
Jenny beobachtete es mit regloser Miene. Ihre Finger rührten sich kaum auf der Lehne ihres Sessels.
Nach zehn Hieben war Rebeccas Hinterteil bereits gerötet. Nach zwanzig gezeichnet. Nach dreißig bebte ihr ganzer Körper, doch sie schrie nicht. Sie ließ es geschehen. Es war, als wolle sie wenigstens hier Haltung zeigen.
Bei der vierzigsten Züchtigung verlor sie einen Laut, der wie ein unterdrücktes Wimmern klang. Einige im Publikum sahen weg. Andere blickten umso aufmerksamer hin.
Nach sechzig Hieben unterbrach der Vollstrecker kurz. Nicht aus Mitleid, sondern aus Professionalität. Dann fuhr er fort. Die Bewegungen blieben ruhig, gleichmäßig. Kein Ausrasten, kein Gnadenstoß – nur Zählung. Rhythmus. Vollzug.
Rebecca war am Ende ihrer Kräfte, als die Zahl hundert erreicht war. Ihre Hände krampften sich um die Gurte. Ihre Haut war gerötet, stellenweise leicht aufgerissen. Doch sie hatte sich nicht ergeben. Nicht aufgegeben.
Der letzte Hieb – der hundertzehnte – traf etwas schräg, als wolle er einen Schlusspunkt setzen. Rebecca atmete scharf ein, dann nichts mehr. Kein Laut. Nur das Pochen im Raum, das der Stille folgte.
Der Vollstrecker trat zurück.
Die Gurte wurden gelöst.
Rebecca blieb liegen.
Dann hob man sie langsam auf. Stellte sie mit dem Gesicht zum Publikum. Die Spannung knisterte.
Der Scharfrichter hatte nun eine Singletail-Peitsche in der Hand. Rebecca sah sie und schloss die Augen. Diese Strafe war wohl nicht vorgesehen - auf jeden Fall war der Raum nicht ausgestattet, Rebecca aufrecht festzubinden. Der Scharfrichter holte aus - und ließ die Peitsche quer über Rebeccas Brüste knallen. Ein lautes Peitschgeräusch war zu hören, sowie Rebeccas verzweifelter Schrei. Beim zweiten Schlag konnte Rebecca nicht mehr, sie rannte einfach los, um sich dem dritten Hieb zu entziehen.
Der Notar ergriff wieder das Wort. “Das Schiedsgremium hat entschieden, dass die Strafe ausgeführt werden soll, ohne dass Rebecca festgebunden wird. Sollte es sich als notwendig erweisen, sie festzubinden, verdoppelt sich die Anzahl der Schläge …”
Diese Drohung wirkte. Rebecca kehrte an ihren Platz zurück und streckte ihre Brüste dem Scharfrichter entgegen. Der schlug zu. Und wieder. Und wieder. Rebecca hielt stand. Am Ende waren ihre Brüste voller Striemen. Aber sie hatte es durchgestanden.
Ein Tuch wurde ihr umgelegt. Nicht zum Bedecken – nur, damit sie nicht fror. Zwei Helfer führten sie vom Podest. Sie wankte nicht. Ihr Blick war starr, irgendwohin gerichtet, wo niemand folgen konnte.
Jenny sah ihr hinterher.
Dann sagte sie leise, ohne Ironie, fast sachlich:
„Sie hat mehr Würde gezeigt, als ich erwartet hätte.“
Sie stand auf.
„Bringen Sie die Letzte.“
Die Menge bewegte sich nicht. Alle Blicke richteten sich auf Nicole
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