Novella
Chapter 4 of 5
Ich wusste, dass es kein Entkommen mehr gab, als der Ordner auf mich zutrat. Er sprach kein Wort. Er sah mich nur an – nicht feindselig, nicht mitleidig. Nur wie jemand, der weiß, dass eine Maschine jetzt laufen muss, weil jemand den Hebel gezogen hat.
Meine Beine wollten mich nicht tragen. Ich stand trotzdem auf.
Jenny war bereits vorgetreten, neben dem Podest. Sie wirkte plötzlich größer, als sei sie durch den Sieg selbst gewachsen. Ihre Stimme war ruhig, fast freundlich:
„Die Regeln erlauben es der Gewinnerin, über das Strafmaß mitzubestimmen. Nicht, um zu quälen, sondern um zu erziehen.“
Sie machte eine kleine Pause. Niemand wagte es, ihr zu widersprechen.
„Ich verfüge, dass Nicole nicht nur gezüchtigt, sondern auch öffentlich gedemütigt wird – im Geist des Testaments. Sie hat verloren. Und der Letztplatzierte, so steht es geschrieben, soll den höchsten Preis zahlen.“
Der Notar nickte. „Zulässig. Solange die körperliche Unversehrtheit langfristig nicht gefährdet wird, steht es im Ermessen der Erbin, die Art der Strafe zu bestimmen.“
Die Ordner traten näher.
Ich schloss die Augen.
Sie führten mich in die Mitte des Raumes. Dort hatte man inzwischen eine andere Vorrichtung aufgestellt – höher, massiver, wie ein Rahmen mit Lederfesseln. Eine Art Präsentationskreuz. Die Drohung, Rebecca festzubinden, war wohl keine leere Drohung gewesen. Mein Herz schlug gegen die Rippen, als wollten sie ausbrechen. Ich hörte die Geräusche meiner eigenen Kleidung, als sie fiel. Rock, Bluse, BH, Slip – nichts blieb. Nichts durfte bleiben.
Man spannte mich fest. Hände nach oben, Beine leicht auseinander. Das Licht war grell. Ich sah das Publikum nicht mehr richtig – nur Silhouetten, Reihen von Gesichtern, manche angewidert, manche erwartungsvoll. Manche zu ruhig.
Jenny trat näher.
„Du wirst heute lernen, was es heißt, ganz unten zu sein“, sagte sie. Ihre Stimme war süß wie Honig, aber voller Kälte. „Aber du darfst es mit Haltung tragen. So, wie du gespielt hast.“
Sie nickte dem Scharfrichter zu – aber diesmal war es ein anderer Mann. Jünger. Er trug keine Uniform, nur einfache Kleidung. Und Handschuhe. In der Hand hielt er kein Rohrstock, sondern eine dünne Rute – biegsam, leise. Gemeiner.
„Wir beginnen mit fünfzig Hieben auf die Innenseiten der Oberschenkel. Dann folgen dreißig auf die Brüste – mit Pausen. Dann…“
Sie machte eine theatralische Pause.
„… sehen wir weiter.“
Ich wollte etwas sagen – aber da war nichts. Kein Laut. Mein Mund war trocken.
Der erste Hieb traf unerwartet. Kein lauter Knall – nur ein scharfer Schnitt, gefolgt von einem Brennen, das sich wie eine Linie aus Feuer über meine Haut zog. Ich biss die Zähne zusammen. Zweiter Hieb. Dritter. Die Rute war leise – aber gnadenlos. Sie brannte sich nicht ein, sie schrieb etwas in mich hinein. Etwas, das nicht vergehen wollte.
Meine Knie wollten einknicken – aber sie konnten nicht. Ich war zu fest geschnallt.
Jenny beobachtete mich wie eine Galeristin ein Werk. Ihr Blick war analytisch. Nicht grausam – nur forschend.
Nach fünfzig Hieben waren meine Oberschenkel übersät mit Striemen, rot, geschwollen, in rhythmischen Abständen. Ich bebte.
Der Scharfrichter wechselte die Position. Dann kamen die dreißig auf meine Brüste. Diese waren lauter. Tiefer. Schmerz, der in Wellen kam. Ich zählte mit, um nicht zu schreien.
Bei der einundzwanzigsten brach ein Laut aus mir heraus. Kein Schrei – eher ein Keuchen, ein Stöhnen, das nicht mehr aufzuhalten war.
Ich schämte mich.
Jenny lächelte sanft. „Sehr gut“, sagte sie leise.
Dann wurde die Vorrichtung gekippt – nicht ganz aufrecht, nicht ganz waagerecht. Ich hing in einem Winkel, der mich zwingend nach vorn zog. Die Arme brannten. Die Rückenmuskeln begannen zu zittern. Ich konnte mein eigenes Gewicht nicht mehr halten. Alles zitterte. Und ich war nackt. Sichtbar. Unverstellt. Verletzlich. Die Vorrichtung wurde gedreht … nun war meine offene Scheide dem Publikum zugewandt.
Ich hörte Stimmen. Leises Gemurmel. Manche im Publikum sprachen über mich, als sei ich ein Objekt. Eine Lektion. Eine notwendige Konsequenz.
Ich sah meine Eltern irgendwo hinten. Mein Vater saß still, regungslos. Meine Mutter weinte nicht mehr. Ihre Hände waren gefaltet. Vielleicht betete sie. Vielleicht nur für sich.
Jenny trat noch einmal an mich heran. “Du erhältst jetzt noch fünfzig Schläge zwischen deine Beine. Du warst die Beste von uns dreien, was das Spiel betrifft“, flüsterte sie, nah an meinem Ohr. „Aber du hast verloren. Und das bedeutet, du musst lernen. So einfach ist das. Das hier wird nicht alles sein. Es wird ein Protokoll angelegt, ein Tagebuch der Schande. Du wirst unterschreiben müssen. Morgen. Und nächste Woche wirst du wieder hier sein – zur Wiederholung.“
Ich blickte sie an. Für einen Moment vergaß ich die Schmerzen.
„Warum tust du das?“, fragte ich heiser.
Sie zuckte mit den Schultern. „Weil ich darf.“
Dann wandte sie sich um und ging.
Der Scharfrichter tat seine Pflicht. Die Schmerzen waren nicht auszuhalten … aber ich mußte sie aushalten. Was blieb mir übrig?
Ich hing noch immer, als der Notar das Schlusswort sprach.
„Die Erbmasse wird gemäß Verfügung an Jenny Lutz übertragen. Die Vollstreckung des Testaments ist aber noch nicht abgeschlossen. Die Fortsetzung folgt nächste Woche.“
Die Scheinwerfer gingen aus.
Ich blieb.
Dann hörte ich Schritte.
Es ging weiter.
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