Novella
Chapter 5 of 5
Es war windstill und grau, als ich zurückgebracht wurde. Der nächste Tag.
Nicht in einem Gefängniswagen, nicht in Handschellen. Ich stieg aus einem schwarzen Wagen, in Begleitung eines Assistenten, der höflich schwieg. Die Villa am See lag da wie zuvor – makellos, verschlossen. Keine Presse, keine Kameras. Alles war organisiert. Diskret. Endgültig.
Ich hatte unterschrieben. Ich hatte keine Wahl.
Der Notar erwartete mich bereits im Foyer. Er trug dieselbe Brille, denselben Tonfall.
„Pünktlich. Sehr gut.“
Ich nickte.
„Der Vertrag sieht wöchentliche Disziplinarsitzungen für die Dauer eines Monats vor. Danach erfolgt die Evaluation. Jenny hat ihre Anweisungen schriftlich hinterlegt. Du wirst dich heute dem Oberinspektor unterstellen – er hat die Ausführung übernommen.“
Ein anderer Mann trat vor – hager, grauhaarig, mit ruhigen Augen. Er stellte sich nicht vor. Er zeigte mir den Raum, der vorbereitet war: spartanisch, weiß. Nur ein Strafbock stand in seiner Mitte. Viele kleine Kameras im Raum verteilt.
„Entkleiden“, sagte der Mann ruhig.
Ich zögerte nicht. Als ich nackt vor ihm stand, nickte er nur in Richtung Strafbock. Ich wusste, was von mir erwartet wurde und legte mich über ihn. Der Mann fixierte meine Hände und Füße. Dann verließ er den Raum. Lange passierte gar nichts. Ich hörte nur, wie die verschiedenen Kameras surrten und ihre Autofokusse einstellten …
Nach etwa 10 Minuten öffnete sich die Tür. Ich konnte so gerade meinen Kopf drehen und sehen, dass es sich um zwei Männer, mir bis dahin fremd, handelte, die eine Art Maschine in den Raum schoben. Ich konnte aber nicht genau erkennen, was das für eine Maschine war. Sie wurde neben mich gestellt. Dann verließen die beiden Männer den Raum.
Wieder Stille. Dann plötzlich Jennys Stimme: “Willkommen, Nicole! Ich kann heute leider nicht da sein … aber der Notar hat es möglich gemacht, dass ich trotzdem deine Bestrafung mitorganisieren kann! Neben dir steht ein Züchtigungsautomat. Ich kann ihn von hier aus kontrollieren, ist das nicht cool?”
Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.
Jennys Stimme klang blechern, verzerrt durch die Lautsprecher des Raumes, aber unverkennbar. Dieses leicht gedehnte „cooool“ am Ende – fast verspielt – ließ mich frösteln.
„Ich hab mir etwas Besonderes ausgedacht“, fuhr sie fort. „Der Apparat neben dir … ich nenne ihn Ordo. Er wurde für ganz präzise, ganz gleichmäßige Impulse konstruiert. Wir wollen ja keine Willkür, oder? Nur saubere Kontrolle.“
Ich wandte den Kopf ein wenig, so weit es meine Position zuließ. Die Maschine – Ordo – war mattgrau, aus Metall, mit einem schwenkbaren Arm und mehreren Segmenten, die wie Gelenke wirkten. Ein Arm aus Stahl und Silikon, steril und kalt. Daran befestigt: ein länglicher Einsatz mit Riemen, Sensoren, etwas, das aussah wie ein pneumatischer Mechanismus.
„Ich kann die Stärke der Schläge in zehn Stufen einstellen“, sagte Jenny. „Heute beginnst du bei Stufe drei. Und du bekommst zunächst zehn Hiebe. Das ist machbar, oder?“
Ich schwieg. Ich hatte gelernt, dass jede Reaktion Jenny bestärkte.
“Übrigens wird deine Strafe nicht nur aufgezeichnet, sondern auch live-gestreamt. Meine Followers können drei Einstellungen gleichzeitig genießen … ganz nach ihrer Wahl. Dann geht es jetzt los, ja? Nicke einfach …”
Ich nickte.
Ein leises Summen begann. Die Maschine erwachte zum Leben, justierte ihren Arm, der sich ruckartig über meinem Rücken positionierte. Ich hielt den Atem an. Es klickte, dann ein mechanisches Einrasten. Jenny sprach nicht mehr. Nur das rhythmische Surren der Technik blieb.
Dann – der erste Hieb. Nicht hart, nicht schneidend. Aber unerbittlich. Mechanisch, präzise. Der Schlag traf meinen Rücken, genau über den Schulterblättern. Es tat weh. Der zweite folgte Sekunden später, eine Spur tiefer, über die Mitte. Die Peitsche schlang sich um mich, traf von unten meine Brust. Das Tempo war kühl, rechnerisch.
Drei.
Vier.
Fünf.
Jedesmal etwas tiefer. Ich versuchte, mich nicht zu verkrampfen. Atmen, dachte ich. Nur atmen.
Bei Schlag sieben brannte es. Die Maschine hatte wohl nachgeregelt. Ich biss die Zähne zusammen. Der letzte Hieb, Nummer zehn, traf mein Gesäß wie ein Stempel. Und dann: Stille. Kein Nachsatz von Jenny, kein Kommentar.
Nur das gleichmäßige Klicken der Kameraoptiken, die alles aufzeichneten.
Der Raum war still, fast ehrfürchtig still. Nur das Nachbeben der Schläge pochte noch in Nicoles Körper, als Ordo in seine Ausgangsposition zurückfuhr – der mechanische Arm erhob sich, schwenkte in eine ruhende Haltung und verharrte dort. Nichts rührte sich. Keine Stimme, kein Ton.
Dann knisterte ein Lautsprecher, ein anderer diesmal. Tiefer montiert, näher an ihrem Ohr.
„Das Publikum darf jetzt entscheiden, wie es weitergeht“, sagte eine nüchtern-männliche Stimme. Sie war neu – der sogenannte Oberinspektor? Oder nur ein technischer Sprecher? „Drei Optionen stehen zur Wahl. Option eins: Fortsetzung der mechanischen Disziplin auf erhöhter Stufe. Option zwei: Stromimpulse im medizinisch definierten Rahmen. Option drei: Ruhige Isolationshaft unter Beobachtung für 48 Stunden.“
Nicole schluckte. Sie war nicht gefragt worden, was sie bevorzugte. Natürlich nicht. Die Wahl lag beim Publikum – anonym, neugierig, ungreifbar.
„Die Abstimmung läuft jetzt“, sagte die Stimme.Der Raum war still, fast ehrfürchtig still. Nur das Nachbeben der Schläge pochte noch in Nicoles Körper, als Ordo in seine Ausgangsposition zurückfuhr – der mechanische Arm erhob sich, schwenkte in eine ruhende Haltung und verharrte dort. Nichts rührte sich. Keine Stimme, kein Ton.
Ein Licht blinkte an der Wand. Sie hörte einen entfernten Summton – die Rückmeldung des Systems. Ihre Gliedmassen waren noch immer fixiert. Sie konnte sich kaum bewegen, spürte aber, wie ein leichter Luftzug durch den Raum strich. Jemand hatte die Klimatisierung verändert – absichtlich?
Eine Minute verstrich. Dann klickte es erneut, metallisch. Die Stimme kehrte zurück.
„Das Publikum hat entschieden. 64 Prozent votierten für Option zwei.“
Nicole schloss die Augen. Strom.
Sie hörte, wie sich an der Maschine ein anderes Modul justierte – feiner, leiser. Der Arm von Ordo senkte sich wieder. Sie spürte, wie etwas Metallenes gegen ihre Scheide drückte und dann, mechanisch, hineinfuhr. Gleichzeitig legte sich ein anderer metallener Arm Ordos über ihre herunterhängenden Brüste.
Wieder die Stimme: „Kontakt hergestellt. Zunächst Stufe 3 - 8 mA bei 230 Volt.
Die Stimme aus dem Lautsprecher war ruhig, fast sachlich:
„Stufe drei aktiviert. Dauer: zehn Minuten. Die Intensität wird automatisch angepasst.“
Ein leises Klicken. Dann Stille. Ich spürte, wie sich etwas in mir verkrampfte – nicht aus Schmerz, noch nicht. Dann: der erste Impuls. Ein leichtes Zucken in mir, kaum mehr als ein inneres Flimmern. Als hätte mein eigener Körper kurz vergessen, wer ihn bewohnte.
Ich atmete aus.
Die Maschine arbeitete gleichmäßig, klinisch. Die Impulse kamen in Abständen von etwa zehn Sekunden – eine vordefinierte Kadenz, jeder neue Reiz ein winziger Stoß in die Haut, in die Muskulatur, kontrolliert, messbar.
Minuten vergingen.
Stufe vier – das System passte sich an, ohne dass jemand sprechen musste. Jetzt brannten die Impulse leicht, wie winzige Funken. Mein Körper spannte sich, die Muskeln zogen sich zusammen, reflexhaft, unkontrollierbar. Meine Füße, festgeschnallt, konnten sich nicht bewegen. Ich spürte, wie mein Atem schneller ging.
Wieder ein Zucken, diesmal tiefer im Rücken. Ich hörte mein eigenes Stöhnen, leise, abgehackt. Die Maschine war vollkommen emotionslos – und genau das machte sie so unbarmherzig. Es gab keine Stimme, kein Gesicht, keine Wut. Nur kalte Durchführung.
Stufe fünf. Die Intervalle wurden kürzer. Jeder Impuls ein Stachel, ein Ziehen, ein rhythmisches, sich steigerndes Spiel mit der Schmerzgrenze. Kein Schnitt, keine Wunde – und doch ein Brennen, das nach innen kroch. Ich kämpfte darum, nicht zu schreien. Nicht zu flehen.
Die letzte Minute.
Stufe sechs.
Ich vergrub die Stirn in die gepolsterte Auflage des Strafbocks, presste die Zähne aufeinander. Jetzt war es kein Spiel mehr – die Impulse griffen tiefer, durch Muskelstränge, in die Lenden, als würde mein eigener Körper rebellieren. Ich fühlte mich ausgeliefert – und zugleich zu wach, zu präsent, um mich dem zu entziehen.
Dann – ein Summen. Leiser als zuvor. Das Signal zum Ende.
Ich zitterte, spürte Schweiß auf meiner Haut. Die Maschine fuhr ihren Arm zurück in Ausgangsposition, langsam, geräuschlos. Die Kameras fokussierten weiter.
Aber es sprach niemand.
Die Tür öffnete sich nicht. Kein Kommentar. Keine Frage. Nur ich, nackt und gefesselt in einem weißen Raum, in dem die Kontrolle über mich selbst zehn Minuten lang abgegeben war – an ein namenloses Gerät.
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