Novella
Birke Becker presents
5.0 (6)
Chapter 2 of 17
Die Schritte in der Aula hallten noch in Annegrets Ohren nach, als sie, gestützt von der stummen Ilse, den Weg zurück in den Schlafsaal fand. Jeder Schritt war eine Qual, ein stechender Schmerz, der sich von ihrem Gesäß bis in ihre Beine zog. Die Scham brannte heißer als der Schmerz. Sie war öffentlich gedemütigt worden, als Lügnerin gebrandmarkt, und das alles wegen Klothildes hinterhältigem Spiel.
Im Schlafsaal ließ Ilse Annegret vorsichtig auf ihr Bett sinken. Annegret drehte sich mühsam auf den Bauch, das Gesicht in das grobe Kissen vergraben, wenn auch ihre Tränen nun offen fließen durften. Ilse verschwand kurz und kehrte mit einem kleinen, braunen Tiegel zurück, der nach Kampfer und etwas Süßlichem roch. Es war eine Salbe, die ihre Großmutter ihr für Prellungen und Schwellungen mitgegeben hatte.
„Das wird helfen“, flüsterte Ilse, ihre Stimme sanft und voller Fürsorge. Sie zog vorsichtig Annegrets Rock und das Unterhemd ein Stück hoch und ihre Unterhose runter, um an die schmerzende Stelle zu gelangen. Annegret zuckte zusammen, als Ilses kühle Finger die heiße, geschwollene Haut berührten. Ilse begann behutsam, die Salbe auf das gerötete, bereits von den Schlägen gezeichnete Gesäß ihrer Freundin zu reiben. Jeder sanfte Kreis, den Ilses Finger zogen, war eine kleine Linderung, ein Zeichen der Fürsorge, das Annegrets zerbrochene Seele ein wenig heilte.
„Es tut mir so leid, Annegret“, murmelte Ilse, während sie weiterrieb. „Ich hätte … ich hätte etwas tun sollen.“
„Du konntest nichts tun“, erwiderte Annegret leise, ihre Stimme war heiser. „Niemand kann etwas gegen sie tun. Sie ist … sie ist unangreifbar.“
Die Tür des Schlafsaals öffnete sich in diesem Moment mit einem leisen Quietschen. Es waren Adelheid und Friederike, zwei von Klothildes treuesten Anhängerinnen. Sie kamen herein, um etwas zu holen, und ihr Blick fiel sofort auf die Szene vor ihnen: Annegret, auf dem Bauch liegend, und Ilse, die sich über sie beugte und etwas auf Annegrets entblößtes Gesäß rieb.
Ein Lächeln des Spotts breitete sich auf Adelheids Gesicht aus, als sie die Situation erfasste. In der strengen, prüden Atmosphäre des Internats, wo jede körperliche Nähe, geschweige denn das Entblößen vor anderen, als skandalös galt, sah dies in ihren Augen nur nach einem weiteren Verstoß aus. „Nun, nun, was haben wir denn hier?“, säuselte Adelheid, ihre Stimme triefte vor Falschheit. „Scheint, als hätte Lutz ihre Strafe nicht nur verdient, sondern nutzt die Gelegenheit gleich für… andere Vergnügungen.“
Friederike kicherte und stieß Adelheid in die Seite. „Das müssen wir Klothilde erzählen! Sie wird das lieben!“
Annegret zuckte zusammen und versuchte, sich zu bedecken, aber der Schmerz ließ sie nur langsam reagieren. Ilse richtete sich empört auf. „Das ist nicht, was ihr denkt! Ich helfe ihr nur!“
Doch Adelheid und Friederike hörten nicht zu. Ihre Augen glänzten vor Schadenfreude. Mit einem letzten spöttischen Blick drehten sie sich um und eilten aus dem Schlafsaal, die Tür hinter sich zuschlagend.
Annegret schloss die Augen. „Nein… nicht schon wieder“, flüsterte sie verzweifelt. Sie wusste, was das bedeutete. Klothilde würde diese neue „Information“ sofort nutzen.
Nur wenige Minuten war Klothilde von Hohenzollern im Bilde. Annegret hatte sie zu verpetzen versucht - sie würde ihr zeigen, wie so etwas geht!
Ohne zu zögern, machte sie sich auf den Weg zum Büro des Direktors. Ihre Schritte waren fest, ihr Gesichtsausdruck ernst und unschuldig - als könnte sie kein Wässerchen trüben. Sie klopfte mit fester Hand an die schwere Eichentür des Direktorenzimmers. Ein tiefes „Herein!“ ertönte.
Direktor Hoffmann saß hinter seinem imposanten Schreibtisch, dessen Oberfläche makellos glänzte. Als er Klothilde sah, hellte sich sein strenges Gesicht merklich auf. Er erhob sich, eine Geste der Ehrerbietung, die er nur wenigen Schülern entgegenbrachte – und keiner bürgerlichen.
„Ah, Fräulein von Hohenzollern! Was führt Sie zu dieser späten Stunde zu mir? Setzen Sie sich doch, setzen Sie sich.“ Er deutete auf einen gepolsterten Sessel vor seinem Schreibtisch, der sonst nur für wichtige Besucher oder besorgte Eltern reserviert war. „Möchten Sie vielleicht eine Tasse heiße Schokolade? Ich lasse sie Ihnen sofort zubereiten.“
Klothilde lächelte höflich, ein Lächeln, das ihre innere Genugtuung perfekt verbarg. „Das wäre sehr freundlich, Herr Direktor. Vielen Dank.“ Sie setzte sich mit anmutiger Bewegung, ihre Hände gefaltet im Schoß.
Der Direktor klingelte eine kleine Glocke auf seinem Tisch, und kurz darauf erschien ein Diener. „Eine heiße Schokolade für Fräulein von Hohenzollern, bitte. Mit viel Sahne.“
Als der Diener gegangen war, wandte sich der Direktor wieder Klothilde zu, sein Blick war nun ganz aufmerksam und besorgt. „Nun, mein liebes Fräulein, ich spüre, dass Sie etwas auf dem Herzen haben.“
Klothilde seufzte leise, eine perfekt inszenierte Geste der Betroffenheit. „Es fällt mir schwer, Herr Direktor, sehr schwer. Besonders nach den gestrigen Ereignissen mit Fräulein Lutz. Aber ich fühle mich verpflichtet, Ihnen etwas mitzuteilen, das die Moral und den Ruf unserer geschätzten Anstalt zutiefst gefährden könnte.“
Sie machte eine kurze Pause, um die Wirkung ihrer Worte zu maximieren. Der Direktor lehnte sich vor, seine Augen weiteten sich leicht.
„Nun“, begann Klothilde, ihre Stimme senkte sich zu einem vertraulichen Flüstern, als würde sie ein schreckliches Geheimnis teilen, „ich war gerade auf dem Weg zu meinem Zimmer, um mein Lateinbuch zu holen. Ich kam gerade an einem der Schlafsäle vorbei, als ich Zeugin einer… äußerst beunruhigenden Szene wurde. Im Schlafsaal 5 der Mädchen, Herr Direktor.“
Sie machte eine kurze Pause, um die Wirkung ihrer Worte zu maximieren. Der Direktor lehnte sich vor, seine Augen weiteten sich leicht.
„Fräulein Lutz“, fuhr Klothilde fort, ihre Stimme senkte sich zu einem vertraulichen Flüstern, als würde sie ein schreckliches Geheimnis teilen, „lag auf ihrem Bett, und Ilse Bukow… sie beugte sich über sie. Und, Herr Direktor, ich muss es Ihnen leider sagen, Fräulein Lutz hatte … untenrum gar nichts an. Und Ilse Bukow streichelte sie dort. Es sah… es sah höchst unziemlich aus. Fast so, als würden sie… unerlaubte Handlungen miteinander vornehmen. Meine Freundinnen Adelheid und Friederike waren ebenfalls Zeuginnen dieser Szene.“
Klothilde ließ ihre Worte im Raum stehen, die Implikation war klar und schockierend. Sie vermied es, direkte Anschuldigungen auszusprechen, aber ihre Beschreibung malte ein Bild, das in den Köpfen des Direktors und der Frau Richter, die später hinzugezogen werden würde, kaum anders interpretiert werden konnte. Sie spielte auf die strengsten Tabus des Internats an: Unzucht, Homosexualität, Ungehörigkeit.
Der Direktor Hoffmanns Gesicht wurde aschfahl. Er hatte Annegret Lutz bereits wegen Verleumdung bestraft. Nun schien es, als hätte dieses bürgerliche Mädchen eine noch tiefere Ebene der Unmoral erreicht. Die Vorstellung, dass solche „unerlaubten Handlungen“ in seinem Internat stattfanden, und das auch noch nach einer Bestrafung, war ein Schlag ins Gesicht seiner preußischen Ordnung und Disziplin.
„Das… das ist unerhört!“, stieß der Direktor hervor, seine Stimme rau. „Unerhört! Fräulein von Hohenzollern, ich danke Ihnen zutiefst für Ihre Wachsamkeit und Ihren Mut, mir dies mitzuteilen. Solches Verhalten kann in unserer Anstalt nicht geduldet werden. Ich werde dieser Sache sofort nachgehen.“
Klothilde nickte feierlich. „Es ist meine Pflicht, Herr Direktor. Ich sorge mich um den Ruf des Internats und um die Moral unserer Mitschülerinnen.“
In diesem Moment klopfte es an der Tür, und der Diener brachte die heiße Schokolade. Klothilde nahm die Tasse entgegen, ihr Blick traf den des Direktors. In ihren Augen lag ein triumphierendes Glitzern, das nur sie selbst sehen konnte. Annegret Lutz würde für ihre Frechheit noch einmal bezahlen.
Die Einladung ins Lehrerzimmer war für Annegret und Ilse keine Aufforderung, sondern ein Befehl, der ihre Herzen in eisige Krallen legte. Der Raum, in dem sich sonst nur die Lehrer versammelten, war ein Ort der Macht und der Urteile, und seine Schwelle zu überschreiten, war für die Schülerinnen ein Zeichen größter Missgunst.
Als sie die schwere Holztür öffneten, die von einem Diener aufgestoßen wurde, schlug ihnen die Stille entgegen wie eine physische Kraft. Der Raum war groß, mit hohen Bücherregalen gefüllt, die bis zur Decke reichten, und einem langen, polierten Tisch in der Mitte. An diesem Tisch saß das gesamte Kollegium des Königlich-Kaiserlichen Internats Bad Godesberg. Direktor Hoffmann thronte am Kopfende, sein Gesicht war ein Ausdruck unerbittlicher Strenge. Neben ihm, wie immer unbewegt, saß Frau Richter. Die Blicke der anderen Lehrer – von Herrn Gruber, dem Arithmetik-Lehrer, bis zur blassen Französisch-Lehrerin – waren auf die beiden Mädchen gerichtet, eine Mauer aus schweigender Verurteilung.
Klothilde von Hohenzollern saß nicht am Tisch, aber sie stand elegant und ungerührt neben Frau Richter, ihre Haltung makellos, ein Hauch von Triumph in ihren Augen, der nur Annegret und Ilse galt.
„Treten Sie vor, Lutz und Bukow“, befahl Direktor Hoffmann, seine Stimme war tief und dröhnend.
Annegret und Ilse gehorchten, ihre Schritte hallten laut auf dem Parkettboden. Sie blieben vor dem Tisch stehen, die Köpfe gesenkt, die Hände vor sich gefaltet. Annegret spürte den Schmerz in ihrem Gesäß, der bei jeder Bewegung stach, eine ständige Erinnerung an die gestrige Demütigung.
„Wir haben Sie hierher zitiert“, begann der Direktor, seine Stimme war schneidend, „aufgrund eines schwerwiegenden Vorwurfs, der die Grundfesten der Moral und Disziplin unserer Anstalt erschüttert. Fräulein von Hohenzollern hat uns Zeugnis abgelegt von einem… unziemlichen Verhalten, das sich gestern Abend in Ihrem Schlafsaal zugetragen haben soll.“
Klothilde räusperte sich leise, ihre Stimme war klar und fest. „Herr Direktor, ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Fräulein Lutz auf ihrem Bett lag, und Fräulein Bukow sich über sie beugte. Fräulein Lutz hatte ihren Rock und ihr Unterhemd hochgezogen, und Fräulein Bukow rieb etwas auf ihr Gesäß. Es sah… höchst unpassend aus. Meine Freundinnen Adelheid und Friederike können dies bestätigen.“
Ein Murmeln ging durch die Reihen der Lehrer, ein leises Raunen der Entrüstung. Annegrets Wangen glühten. Sie spürte, wie sich die Scham wie eine heiße Welle über sie ergoss.
„Lutz! Bukow!“, donnerte der Direktor. „Was haben Sie dazu zu sagen?“
Annegret hob zitternd den Kopf. „Herr Direktor… ich… ich wurde gestern bestraft. Und Ilse… Ilse hat nur Salbe auf die Wunden gerieben. Es war nichts… nichts Unziemliches.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, brüchig und unsicher.
Ilse trat einen Schritt vor, ihre Stimme, obwohl leise, war fester als Annegrets. „Das ist die Wahrheit, Herr Direktor. Annegret hatte Schmerzen von der Züchtigung, und ich wollte ihr nur helfen. Es war eine Salbe gegen die Schwellung.“
Frau Richter schnaubte verächtlich. „Salbe? Und dafür musste Fräulein Lutz ihren Rock entblößen? Und Sie, Fräulein Bukow, mussten sich in solch einer… intimen Weise über sie beugen? Das ist ein Verstoß gegen jede Form von Anstand und Schicklichkeit, ganz gleich, welche Ausrede Sie vorbringen.“
„Es war keine Ausrede!“, rief Annegret, ein Funke Verzweiflung in ihrer Stimme. „Ich habe die Wahrheit gesagt! Klothilde lügt!“
Der Direktor schlug mit der Hand auf den Tisch. „Genug, Lutz! Ihre wiederholten Verleumdungen sind unerträglich! Sie haben bereits gestern versucht, Fräulein von Hohenzollern zu diffamieren, und nun versuchen Sie es erneut, um Ihre eigene Unmoral zu vertuschen!“
Die Lehrer am Tisch nickten zustimmend. Ihre Gesichter waren hart, unbewegt. Niemand schien Annegrets oder Ilses Version der Geschichte auch nur in Betracht zu ziehen. Klothildes Status und die vorgefasste Meinung über Annegret als „bürgerliche Lügnerin“ wogen schwerer als jede Wahrheit.
„Dieses Verhalten ist ein Skandal“, fuhr der Direktor fort, seine Stimme wurde lauter. „Es stellt eine Gefahr für die Moral unserer gesamten Schülerschaft dar. Solche Handlungen müssen mit äußerster Strenge geahndet werden, um ein klares Zeichen zu setzen.“
Er blickte in die Runde der Lehrer, die alle stumm zustimmten. „Ich schlage vor“, sagte der Direktor, seine Augen fixierten Annegret und Ilse, „dass wir beide Mädchen mit der härtesten Strafe belegen, die unsere Schulordnung vorsieht. Fünfzehn Schläge mit dem Rohrstock für jede, öffentlich, vor der gesamten Schule, um ein Exempel zu statuieren. Und darüber hinaus…“ Er machte eine dramatische Pause. „…werde ich die Eltern von Fräulein Lutz und Fräulein Bukow benachrichtigen und die Möglichkeit einer sofortigen Entlassung aus dem Internat in Betracht ziehen. Solche Unmoral können wir hier nicht dulden.“
Annegrets Herz sank in die Magengrube. Fünfzehn Schläge. Öffentlich. Und die Entlassung. Das war das Ende. Nicht nur das Ende ihrer Schulzeit, sondern das Ende ihrer Zukunft. Ilse neben ihr war kreidebleich, ihre Augen weit vor Schock. Klothilde lächelte. Ein kaltes, triumphierendes Lächeln.
Nach der Verhandlung im Lehrerzimmer, während Annegret und Ilse noch unter Schock standen, ließ Klothilde von Hohenzollern keine Zeit verstreichen. Sie wusste, dass sie den Direktor in der Hand hatte, dass seine preußische Starrheit und sein Ruf als Hüter der Moral ihn empfänglich für ihre Vorschläge machten. Mit einer Mischung aus ehrfürchtiger Besorgnis und kühler Entschlossenheit klopfte sie erneut an die Tür des Direktorenzimmers.
„Herein!“, rief Direktor Hoffmann, seine Stimme klang noch immer angespannt von der vorangegangenen Diskussion. Er blickte auf, als Klothilde eintrat, und sein Gesicht, das gerade noch von strenger Entschlossenheit gezeichnet war, wich einem Ausdruck der Anerkennung. „Ah, Fräulein von Hohenzollern. Haben Sie noch weitere Erkenntnisse zu diesem beklagenswerten Vorfall?“
Klothilde trat näher, ihre Haltung war tadellos. Sie lehnte die angebotene Sitzgelegenheit ab, um die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens zu unterstreichen. „Herr Direktor, ich möchte Ihre wertvolle Zeit nicht unnötig in Anspruch nehmen, aber ich fühle mich verpflichtet, noch einen Gedanken mit Ihnen zu teilen, der mir seit der Verhandlung keine Ruhe lässt.“
Der Direktor nickte langsam, seine Augen fixierten sie aufmerksam. „Sprechen Sie, Fräulein. Ich bin ganz Ohr.“
Klothilde senkte ihre Stimme leicht, fast zu einem vertraulichen Ton, als würde sie eine tiefere Wahrheit offenbaren. „Die Unzucht, die Fräulein Lutz und Fräulein Bukow begangen haben, ist nicht nur ein Verstoß gegen die Regeln, sondern eine Sünde gegen die Reinheit unserer Anstalt und die guten Sitten. Eine Sünde, die nicht nur oberflächlich bestraft werden darf, sondern tiefgreifend gesühnt werden muss.“
Sie machte eine kurze, dramatische Pause, um ihre Worte wirken zu lassen. Der Direktor runzelte die Stirn, seine Miene wurde noch ernster.
„Die öffentliche Züchtigung, die Sie vorgeschlagen haben, ist zweifellos gerecht und notwendig“, fuhr Klothilde fort, ihre Stimme war nun leise, aber durchdringend. „Doch um die Schmach dieser Tat wirklich zu tilgen, um eine wahre Reinigung herbeizuführen und ein unvergessliches Exempel zu statuieren…“ - ihr Blick traf den des Direktors, fest und unerschütterlich - „…müssten die Mädchen den Rohrstock auch spüren, Herr Direktor. Nicht nur durch den Stoff ihrer Kleidung hindurch.“
Der Direktor Hoffmanns Augen weiteten sich unmerklich. Er verstand sofort die Implikation. Die Strafe auf die entblößte Haut. Eine noch tiefere Demütigung, ein noch schmerzhafteres Zeichen der Buße. Es war eine Idee, die seine eigenen, strengen Vorstellungen von Disziplin und Sühne ansprach, auch wenn sie selbst für seine Verhältnisse ungewöhnlich drastisch war.
„Sie meinen…“, begann der Direktor, seine Stimme war rau, „…auf das entblößte Gesäß?“
Klothilde nickte langsam, ihre Augen zeigten keine Spur von Zögern oder Abscheu. „Nur so, Herr Direktor, kann die Schande dieser Tat vollständig abgewaschen werden. Nur so wird die Lehre tief genug in ihre Seelen eingebrannt, und nur so wird die gesamte Schülerschaft die volle Tragweite dieses Verstoßes begreifen. Eine solche Maßnahme würde die Moral unserer Anstalt wiederherstellen und ein unmissverständliches Zeichen setzen.“
Der Direktor schwieg einen Moment, sein Blick wanderte über die polierte Oberfläche seines Schreibtisches. Die Vorstellung war brutal, aber in seiner rigiden Gedankenwelt erschien sie als die logische Konsequenz für ein Vergehen dieser Schwere. Es war eine Bestrafung, die über den körperlichen Schmerz hinausging und die Seele demütigte, genau das, was er für die „moralische Reinigung“ als notwendig erachtete.
Er hob den Kopf und blickte Klothilde an. „Fräulein von Hohenzollern“, sagte er, seine Stimme war nun fest und unerbittlich, „Ihre Einsicht und Ihr Engagement für die Prinzipien unserer Anstalt sind bemerkenswert. Ich werde Ihren Vorschlag beherzigen. Die Züchtigung wird, wie Sie es vorschlagen, erfolgen. Es ist eine harte, aber gerechte Maßnahme, um die Integrität des Königlich-Kaiserlichen Internats Bad Godesberg zu wahren.“
Ein kaum merkliches Lächeln huschte über Klothildes Lippen. Ihre Mission war erfüllt. Annegret und Ilse würden nicht nur Schmerz erleiden, sondern eine Demütigung, die sie niemals vergessen würden.
Die Nachricht von der bevorstehenden Bestrafung von Annegret Lutz und Ilse Bukow verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das Internat. Ein Gemurmel der Erregung und des Schreckens begleitete die Schüler, als sie sich am nächsten Morgen in der großen Aula versammelten. Jeder wusste, dass es ernst sein würde, aber niemand ahnte das volle Ausmaß der Demütigung, die Klothilde von Hohenzollern in die Wege geleitet hatte.
Die Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Jungen saßen auf der linken Seite, die Mädchen auf der rechten, alle in ihren makellosen Uniformen, ihre Gesichter eine Mischung aus Neugier, Angst und heimlicher Schadenfreude. In der dritten Reihe der Mädchen, die Augen fest auf die Bühne geheftet, saß Klothilde mit ihren Freundinnen, ein kühles, zufriedenes Lächeln auf ihren Lippen.
Auf der erhöhten Bühne, vor dem strengen Blick des Direktors Hoffmann, standen zwei schmale, dunkle Strafböcke. Sie waren niedrig und robust, mit einer gepolsterten Oberseite, die eindeutig dazu gedacht war, jemanden darüber zu beugen. Ihr Anblick jagte Annegret und Ilse, die in der Mitte des Ganges standen, einen kalten Schauer über den Rücken.
Direktor Hoffmann trat vor, seine Statur wirkte noch imposanter als sonst, sein Gesicht war ein Ausdruck unerbittlicher Autorität. Frau Richter stand wie ein Schatten neben ihm, ihre Arme verschränkt, ihr Blick starr.
„Schülerinnen und Schüler des Königlich-Kaiserlichen Internats Bad Godesberg!“, donnerte die Stimme des Direktors durch die absolute Stille, die sich über die Aula gelegt hatte. „Wir sind heute hier versammelt, um ein klares Zeichen zu setzen. Ein Zeichen gegen Unmoral, gegen Unzucht und gegen die Missachtung der heiligen Regeln, die unsere Anstalt zusammenhalten.“
Sein Blick wanderte über die Menge, dann verweilte er auf Annegret und Ilse. „Annegret Lutz und Ilse Bukow haben sich eines Vergehens schuldig gemacht, das die Grundfesten unserer Disziplin erschüttert. Sie haben sich in einer Weise verhalten, die jeglichem Anstand spottet und die Reinheit unserer Gemeinschaft befleckt.“
Einige Schüler tauschten verwirrte Blicke aus. Was genau hatten sie getan? Es wurde zwar einiges gemunkelt, aber die Details des Vorfalls im Schlafsaal waren noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.
„Solche Handlungen können nicht ungesühnt bleiben“, fuhr der Direktor fort, seine Stimme wurde lauter und unerbittlicher. „Um die Schande abzuwaschen und eine tiefgreifende Lehre zu erteilen, werden diese beiden Schülerinnen nun die volle Härte unserer Gerechtigkeit erfahren.“
Er machte eine kurze, dramatische Pause. „Lutz! Bukow! Treten Sie vor an die Strafböcke!“
Annegret und Ilse gehorchten. Ihre Beine waren schwer wie Blei, ihre Herzen hämmerten gegen ihre Rippen. Sie stellten sich vor die beiden Böcke, die nun wie Folterinstrumente wirkten. Annegret links, Ilse rechts. Annegret war blass, ihre Augen suchten verzweifelt nach Ilses Blick. Ilse, obwohl ebenfalls kreidebleich, nickte Annegret noch einmal zu, ein letztes Zeichen der Solidarität, bevor das Unvermeidliche geschah.
„Für die Schwere ihres Vergehens“, verkündete der Direktor, seine Stimme war nun ein befehlendes Donnergrollen, „und um die Sünde der Unzucht vollständig zu sühnen, werden die Mädchen nicht nur die Schläge empfangen, sondern sie werden sie auch spüren.“
Ein Raunen ging durch die Aula, diesmal ein Raunen des Schocks und des Entsetzens. Spüren? Was bedeutete das?
Der Direktor hob die Hand. „Lutz! Bukow! Legen Sie Ihre Uniformröcke ab und beugen Sie sich über die Strafböcke!“
Der Atem stockte allen Schülern. Annegret und Ilse starrten den Direktor an, ihre Augen weit vor Unglauben. Die Röcke ablegen? Das war eine Demütigung jenseits aller Vorstellungskraft. Ihre Gesichter wurden scharlachrot.
„Sofort!“, brüllte der Direktor, seine Geduld war am Ende.
Mit zitternden Händen begannen Annegret und Ilse, ihre Uniformröcke zu lösen. Jeder Knopf, jede Bewegung war eine Qual. Die Blicke der gesamten Schülerschaft bohrten sich in sie, besonders die von Klothilde und ihren Freundinnen, die nun ein breites, triumphierendes Grinsen auf den Lippen trugen. Als die Röcke zu Boden fielen, standen die Mädchen nur noch in ihren knielangen Unterhosen da, die die Umrisse ihrer Oberschenkel und Gesäße nur notdürftig verbargen. Ihre Blusen reichten gerade über den Saum der Unterhosen. Die Scham war überwältigend, ein brennendes Feuer, das ihre Haut zu verbrennen schien.
„Nun, beugen Sie sich!“, befahl der Direktor.
Annegret und Ilse hatten keine Wahl. Mit Tränen in den Augen, die sie verzweifelt zurückhielten, beugten sie sich über die Strafböcke. Die leinenen, knielangen Unterhosen der Mädchen verhüllten aber noch die Gesäße der Mädchen, die dem Saal zugewandt waren. Annegret, auf der linken Seite der Bühne, wußte, dass die erste Reihe der Jungen keine zwei Meter von ihrer Unterhose entfernt war. Die Unterhose sass locker … Annegret hatte Angst, dass die Jungen durch die lose herab hängenden Beine vielleicht tiefere Einblicke erhielten, als mit der Moral der Erziehungsanstalt in Einklang zu bringen war. Aber ihre Sorge war unbegründet - die weiten Beine der Unterhose waren nicht das Problem: Frau Richter zog sie ihr nämlich jetzt runter. Nach dem ersten Schock presste Annegret die Beine fest zusammen … aber die Jungen der Schule hatten sicher mehr als nur ihren Popo gesehen … Ein schneller Blick nach rechts und sie sah, dass auch Ilses Gesäß blank den Schülerinnen und Schülern zugerichtet war … nicht ganz so wohlgeformt wie Annegrets, eher dicklich, und pickelig. Arme Ilse, dachte sich Annegret, die trotz ihrer eigenen Lage noch Mitgefühl für ihre Freundin hatte. Ein Murmeln ging durch die Menge, punktiert von vereinzeltem Gelächter: weibliche und männliche Stimmen.
"Silentium!" grollte der Direktor und nahm den langen, dünnen Rohrstock vom Podium. Er hob ihn langsam, methodisch, und die Stille in der Aula war nun so dicht, dass man das eigene Herz schlagen hören konnte.
Der erste Hieb zischte durch die Luft und traf mit einem scharfen, peitschenden Knall auf Annegrets entblößtes Gesäß. Ein stechender Schmerz schoss durch sie, so intensiv, dass ihr ein leiser Schrei entwich, der sofort in der erdrückenden Stille der Aula erstickte. Sie zuckte am ganzen Körper zusammen, ihre Finger krallten sich in das Holz des Strafbocks. Die Hitze breitete sich sofort aus, gefolgt von einem pochenden Schmerz, der ihr die Luft raubte. Sie presste die Lippen aufeinander, um nicht zu weinen, um ihnen nicht die Genugtuung zu geben.
Direktor Hoffmann wartete nicht. Mit der gleichen methodischen Präzision hob er den Rohrstock erneut, doch dieses Mal wandte er sich Ilse zu. Ilses Augen weiteten sich vor blankem Entsetzen, als der Stock auf sie zusauste. Der zweite Hieb traf sie mit einem ebenso brutalen Knall. Ilse keuchte auf, ein scharfer, schmerzverzerrter Laut, der durch die Aula hallte. Ihre kleine Gestalt zuckte, unwillkürlich verlor sie die Kontrolle über ihre Beine, die kurzseitig nicht mehr zusammengepresst waren, so dass das Publikum ihr Geschlecht sehen konnte.
Der Direktor wechselte wieder zu Annegret. Der dritte Hieb traf sie an einer neuen, noch unberührten Stelle, und der Schmerz war so frisch und brennend, dass auch Annegret die Beine nicht mehr zusammenhalten konnte. Tränen schossen ihr in die Augen, aber sie blinzelte sie weg, ihre Kiefer waren schmerzhaft aufeinandergepresst. Sie spürte, wie ihr Gesäß bereits zu pochen und zu brennen begann, jeder Schlag hinterließ eine feurige Spur.
Dann war wieder Ilse an der Reihe. Der vierte Hieb. Ilse zuckte erneut zusammen, ihre Schultern bebten. Ein leises Wimmern war zu hören, das sie verzweifelt zu unterdrücken versuchte. Die Luft im Raum war dick von der Spannung, dem Geräusch des Stocks und den unterdrückten Schmerzenslauten der Mädchen.
Die Schläge fielen abwechselnd, unerbittlich, ein grausamer Rhythmus, der die Zeit zu dehnen schien. Fünfzehn Schläge für jede, das war das Urteil. Jeder Hieb war eine neue Welle des Schmerzes, eine weitere Schicht der Demütigung. Annegret spürte, wie ihr Gesäß taub wurde, dann wieder zu brennen begann, die Haut spannte sich, und ein stechender Schmerz durchzog sie bei jeder Bewegung. Sie versuchte, sich in ihren Schmerz zurückzuziehen, die Blicke der anderen auszublenden, aber die Scham war allgegenwärtig.
In der dritten Reihe der Mädchen saß Klothilde, ein zufriedenes Lächeln auf ihren Lippen. Ihre Augen folgten jedem Schlag, jeder Zuckung der Mädchen. Dies war ihre Rache, ihre Demonstration von Macht. Sie genoss jeden Moment. Ihr Blick wanderte kurz zum Jungenflügel, wo Gottfried saß, sein Gesicht ebenfalls von einer Mischung aus Schock und einem Hauch von Triumph gezeichnet. Ihre Blicke trafen sich, ein kaum merklicher Austausch, der nur für sie bestimmt war.
Auf der Bühne, in ihrer gemeinsamen Qual, suchten Annegrets und Ilses Blicke Halt. Als Annegret für einen kurzen Moment den Kopf hob, traf ihr Blick Ilses Augen. Ilses Gesicht war tränenüberströmt, aber sie nickte Annegret kaum merklich zu, ein stummes Versprechen, dass sie dies gemeinsam durchstehen würden. Dieses kleine Zeichen der Solidarität zwischen ihnen, in diesem Moment der äußersten Demütigung, war für beide alles.
Die Schläge gingen weiter, ein gnadenloses Trommeln auf die bloße Haut. Annegret und Ilse versuchten, ihren Atem zu kontrollieren, nicht aufzuschreien, die Zähne zusammenzubeißen. Doch der Schmerz war überwältigend, die Demütigung unerträglich. Jeder Schlag brannte sich nicht nur in ihre Haut, sondern auch in ihre Erinnerung.
Als der fünfzehnte und letzte Hieb auf Ilses Gesäß fiel, war die Stille in der Aula ohrenbetäubend. Der Direktor legte den Rohrstock mit einem leisen Klappern auf das Podium.
„Das wird Ihnen hoffentlich eine Lehre sein, Lutz und Bukow“, sagte Direktor Hoffmann, seine Stimme war nun wieder ruhiger, aber nicht weniger streng. „Möge diese Züchtigung Ihnen die Bedeutung von Anstand, Moral und Wahrheit ein für alle Mal einprägen. Sie dürfen sich nun anziehen.“
Annegret und Ilse richteten sich langsam auf, ihre Gesäße pochten und brannten. Ihre Beine zitterten, und es kostete sie all ihre Kraft, nicht zusammenzubrechen. Aber sie hatten die Geistesgegenwart, sich nicht dem Publikum zuzuwenden. Da war Annegrets rettender Rock ... sie streifte ihn über, und erst jetzt suchte sich, nicht mehr den Blicken ausgesetzt, ihre Unterhose. Ilse zog auch ihren Rock mit schmerzenden Fingern wieder an, ihre Bewegungen waren unbeholfen und langsam. Die Blicke der anderen Schüler folgten ihnen, einige waren entsetzt, andere schadenfroh, aber alle waren schockiert von dem, was sie gerade miterlebt hatten.
Nach der Züchtigung löste sich die Versammlung langsam auf. Die Schüler strömten aus der Aula, viele tuschelten, einige mieden den Blick von Annegret und Ilse, die sich langsam und schmerzhaft in Richtung ihres Schlafsaals bewegten.
Frau Richter, die die gesamte Zeremonie mit unbewegter Miene verfolgt hatte, ließ ihren Blick durch die sich leerende Aula schweifen. Ihr scharfes Auge erfasste, wie Klothilde von Hohenzollern sich auffallend schnell von ihrer Gruppe löste und mit einem kurzen, fast unmerklichen Blick in Richtung des Schlafgebäudes der Mädchen verschwand. Fast gleichzeitig bemerkte sie, wie auch Gottfried, der junge Verwandte Bismarcks, sich von seinen Kameraden absonderte und ebenfalls den Raum verließ, wenn auch in eine andere Richtung.
Ein Stirnrunzeln legte sich auf Frau Richters Gesicht. Es war nur ein Gefühl, ein winziges Detail, aber es passte nicht ganz zusammen. Klothilde hatte Annegrets Anschuldigungen so vehement abgestritten, und doch schien es eine seltsame, fast heimliche Verbindung zwischen ihr und Gottfried zu geben.
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